Seelsorgerische Hilfe für Mühlkreisbahn

12. März 2014, 17:42
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Die Mühlkreisbahn ist ein Sanierungsfall, doch nichts passiert. Abt Martin Felhofer vom Stift Schlägl fordert vom Land Aktivität. Auch der Landesrechnungshof hat die jahrelange Untätigkeit kritisiert

Linz - "Friedfertig, aber energisch" fordert Abt Martin Felhofer vom Stift Schlägl in einem Brief Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) auf, die Mühlkreisbahn von den ÖBB zu übernehmen. Zuletzt haben vor allem Pendler aus dem oberen Mühlviertel, aber auch Kommunalpolitiker die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Land und ÖBB gefordert. Ein Termin mit Bundesministerin Doris Bures (SPÖ) werde gesucht, heißt es aus Pühringers Büro.

"Ich will einfach den Landeshauptmann überzeugen, dass diese Bahn für die Menschen im oberen Mühlviertel wichtig ist", nennt der Abt als Grund für seine "seelsorgerische Bitte". Deshalb gehöre die in die Jahre gekommene Bahn endlich attraktiviert. Voraussetzung dafür sei, dass das Land die Nebenbahn übernehme, meint der Geistliche. So unterstütze er die überparteiliche Plattform "Zugkunft Mühlviertel".

"Regiotram" auf Eis gelegt

Spätestens seit dem Hochwasser 2002 stand außer Frage, dass umfassende Sanierungsmaßnahmen auf der Strecke notwendig würden. "Weil der Betrieb der Bahn nur bis 2017 im Verkehrsdienstvertrag festgeschrieben ist, besteht für die ÖBB-Infrastruktur aber nicht wirklich Handlungsbedarf", beschreibt die Plattform die Ausgangssituation. Doch wenigstens fing das Land an zu planen. Noch unter Verkehrslandesrat Erich Haider (SPÖ) entstand die Idee einer "Regiotram", diese wurde jedoch nach der roten Wahlniederlage im Land 2009 auf Eis gelegt. Um 2012 wieder vom mittlerweile zuständigen Landesrat Reinhold Entholzer (SPÖ) als "Regio-Liner" auf den Tisch gebracht zu werden.

Entholzer plädiert für den Bau einer Straßenbahn nur bis nach Rottenegg. Doch diese Schmalspurvariante stößt im Mühlviertel auf breiten Widerstand. Denn die Gemeinden wollen eine Normalspurbahn bis nach Aigen-Schlägl. Als Erster hat jetzt der Gemeinderat von Neufelden einstimmig eine Resolution beschlossen: "Der Gemeinderat der Marktgemeinde Neufelden im Mühlkreis fordert mit Nachdruck alle Verantwortlichen in der Bundes- und Landesregierung sowie in der Stadtregierung Linz auf, die Rahmenbedingungen für den Betrieb der Mühlkreisbahn so festzulegen, dass ein Betrieb der Niederflurgarnituren (Desiro) auf der Mühlkreisbahn weiterhin möglich bleibt."

Nur ein Vorprojekt

Doch das Land hält weiter an der Variante "Regio-Liner" fest. Mehr als ein Vorprojekt gibt es dazu ohnehin noch nicht. Das wiederum kritisierte jetzt der Landesrechnungshof (LRH). Bereits im März 2013 hatte er eine rasche Fertigstellung des Vorprojekts empfohlen. Ein Jahr später nun musste er bei einer Folgeprüfung feststellen, dass bei der Planung der "Mühlkreisbahn neu bisher entscheidende Schritte nicht unternommen" wurden.

Die Empfehlung des LRH, "die Investitionen eng verknüpft mit der zukünftigen Betriebsführung zu planen, um so ein möglichst zweckmäßiges und wirtschaftliches Gesamtverkehrssystem im Großraum Linz zu schaffen", sei bisher nicht in Angriff genommen worden. Die Landesregierung begründete ihre Untätigkeit damit, dass es noch offene Fragen rund um die Übernahme von ÖBB-Regionalstrecken und der Linzer Eisenbahnbrücke gebe. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 13.3.2014)

  • Der Desiro-Zug auf der Mühlkreisbahn soll kein Sonderzug sein. Die Gemeinden im oberen Mühlviertel wollen eine Dauerverbindung bis Aigen-Schlägl.
    foto: öbb/laresser

    Der Desiro-Zug auf der Mühlkreisbahn soll kein Sonderzug sein. Die Gemeinden im oberen Mühlviertel wollen eine Dauerverbindung bis Aigen-Schlägl.

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