In Salzburg lädt die Sonne gratis auf

13. März 2014, 05:30
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Keine Registrierung, keine Einschreibegebühr: Entlang der ersten "freien Solarroute" in Salzburg können Solarmobile ohne Entgelt geladen werden

Salzburg - "Na, bei euch kommt ja einiges aus der Dose", nickt Manfred Lengauer anerkennend. Der Hotelier aus Abtenau hat gerade sein Elektromobil der Extraklasse an die öffentliche Ladestation der Wirtschaftsberater GFBPartner in Zell am See angesteckt - beim Starkstromanschluss bekommt sein Tesla S jedenfalls recht flott genug Saft für sein 420-PS-Gefährt, und zwar gratis.

Dienstagnachmittag wurde bei GFBPartner und dem Tochterunternehmen Sol:utions die erste "freie Solarroute" Österreichs offiziell eröffnet. Eine Kette von sieben Ladestationen mit insgesamt 14 Ladesäulen und 52 Anschlüssen für Elektroautos zwischen Salzburg und Zell am See. Das bisher Einmalige daran: Wer sein Gefährt dort aufladen will, braucht keine Registrierung, muss keine Einschreibgebühr bezahlen - sondern fahrt einfach hin und steckt sein Elektromobil an - kostenlos.

Mehr als zehn Karten

Und das heißt schon was - denn Kenner der solarmobilen Szene wissen, dass man mit zehn verschiedenen Ladeberechtigungskarten für die diversen Mobilitätsregionen und Energieversorger-Systeme längst nicht mehr auskommt, will man quer durch Österreich stromen.

Dabei sei das Verkaufen von Strom bei der solaren Mobilität im Grunde kein Geschäftsmodell, ist GFB-Geschäftsführer Roland Haslauer felsenfest überzeugt: "Strom ist bei der solaren Mobilität kein Kostenfaktor." Sprich: Wenn die Energie für die nächsten 100 Kilometer Fahrt nur noch 1,20 Euro kostet, ist allein schon die Einführung eines Zahlsystems im Grunde bereits unrentabel.

Grundlage für diese Voraussetzungen sind die kompletten Solarpakete, die bei Sol:utions entwickelt wurden: also beispielsweise Solarkraftwerke auf energetisch optimierten Gebäuden, bei denen dann auch die Elektromobile davor als Zwischenspeicher fungieren können beziehungsweise die nach ein paar Jahren ausrangierten Batteriesätze als Speicher für die im Gebäude benötigte Energie weiterverwendet werden können.

Die Wertschöpfungskette

Entscheidend dabei ist, dass Haslauer und sein Team nicht etwa die Solaranlage am Dach für sich wirtschaftlich berechnen - sondern die gesamte Wertschöpfungskette dieses Systems (der Standard berichtete). So betrachtet fällt dann die für die Mobilität benötigte Energie wirtschaftlich kaum noch ins Gewicht.

Ein Modell, für das Haslauer auch ohne weiteres sieben Leitbetriebe entlang der neuen Solarroute gewinnen konnte. Diesen Dienstag wurde die "Westroute" eröffnet, die über das Kleine Deutsche Eck führt. In Zell am See sind das eben GFB selbst und die anschließende Tennishalle sowie das Metzgerwirt Romantikotel. In Saalfelden kann beim HGZ und vor der Salewa Kletterhalle gratis Strom getankt werden. In Lofer stehen zwei Ladespots beim Holzbau Meiberger zur Verfügung, und in Salzburg Stadt kann vor der Prodinger GFB in der Karolingerstraße 1 Strom gezapft werden.

Solarroute Ost noch 2014

Noch in diesem Jahr soll dann auch die Solarroute Ost eröffnet werden: Sie soll mithilfe weiterer Partnerbetriebe von Salzburg Stadt aus über Anif, das Salzachtal, Hallein, Bischofshofen und St. Veit nach Zell am See führen.

Parallel dazu wollen Haslauer und sein Team weitere Vorurteile gegen die solare Mobilität aus den Weg räumen. Mit regional gefertigten, günstigen Elektromobilen, wie etwa einem "Salzburgroller". Und das Killerargument, dass das Aufladen zu lange dauere? Da steht ein Telefonhüttel-ähnliches Kastl vor dem GFB-Gebäude: ein Gleichstrom-Power-Charger. Bei diesem braucht der Ladevorgang nur noch ein Zehntel der Zeit. Und nach etwa 20 Minuten geht's wieder volle Ladung weiter. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 13.3.2014)

  • Ob Tesla (links) oder Smart: Beim Holzbau Meiberger in Lofer und sechs weiteren Stationen können Solarmobile gratis Strom zapfen.
    foto: david

    Ob Tesla (links) oder Smart: Beim Holzbau Meiberger in Lofer und sechs weiteren Stationen können Solarmobile gratis Strom zapfen.

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