Poetische Verschiebungen

12. März 2014, 18:28
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"Nocturnes" nennt Anna Kolodziejska ihre Ausstellung in der Galerie Bernd Kugler

Innsbruck - Bekannt ist sie für ihre minimalistischen Eingriffe in Alltagsobjekte. Auch die neuen Arbeiten der in Karlsruhe lebenden polnischen Künstlerin Anna Kolodziejska sind von einer formalen und farblichen Reduziertheit gekennzeichnet, die eine unaufgeregte poetische Aufladung der Dinge erzeugt. Ein aus einer Zeltstange, zwei Plastiktüten und einem Saumband gebautes Mobile schwebt im Raum. In der Luft baumelnd, sind diese banalen Elemente funktionslos, was ihnen eine ganz bestimmte Wesenhaftigkeit verschafft.

Die 1976 im polnischen Zywiec geborene Künstlerin lädt diese Alltagsgegenstände nicht mit Bedeutung auf, sondern sie erzeugt mit ihnen Stimmungen zwischen fragilem Gleichgewicht und einer prekären Unsicherheit. Nocturnes, Nachtstücke, so der Titel ihrer Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Bernd Kugler - ist denn auch eine romantische Idee: Im dunklem Geheimnis lauert immer auch Gefahr.

Unscheinbar liegt ein rechteckiges Stück Kunstleder auf dem Boden, und man fühlt sich an einen Fußabtreter erinnert. Der Eindruck wird auch noch dadurch verstärkt, dass die Form einer Fußsohle aus dem Leder ausgeschnitten ist. Sie kommt als Positivform neben dem Negativausschnitt zu liegen.

In ihren Papierarbeiten spielt Kolodziejska, die 2005 die Meisterklasse des österreichischen Konzeptkünstlers Ernst Caramelle in Karlsruhe abschloss und bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, geschickt mit der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung des Betrachters. So klebt sie in gefundene Passepartouts Papiercollagen, beispielsweise in der Form eines Tisches. Indem sie das Papier nicht an allen Stellen mit dem Bildträger verklebt, entstehen schattenwerfende Unebenheiten. Das Bild wird als Objekt in seiner Körperhaftigkeit wahrnehmbar.

Kolodziejskas früher stärker ausgeprägtes surrealistisches Moment fehlt den neuen Arbeiten teilweise. Trotzdem blitzt immer ein gewisser Humor auf, wie etwa bei Schlüsselloch, einer schwarzen Filzarbeit, bei der ein ausgeschnittenes Schlüsselloch den Blick auf die Galeriewand freigibt, oder bei jenem Bild, das, von der Seite betrachtet, ein graues Quadrat auf schwarzem Grund zu zeigen scheint. Mit Malewitsch im Kopf bewegt man sich davor und erkennt, dass es eine Glasscheibe auf Tonpapier ist und der Betrachter sich darin spiegelt. (Robert Gander, DER STANDARD, 13.3.2014)

Bis 12. 4.

Galerie Bernd Kugler

Burggraben 6, 6020 Innsbruck

  • Mobile aus Zeltstange, Plastiktüte und Saumband.
    foto: j. plattner

    Mobile aus Zeltstange, Plastiktüte und Saumband.

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