Geometrische Poesie

12. März 2014, 18:22
4 Postings

Mit "kinetischen Objekten", Zeichnungen und Siebdrucken gibt die Galerie Winter Einblick in das ebenso präzise wie poetische Frühwerk der österreichischen Künstlerin Helga Philipp (1939-2002)

Wien - 11/65 Bild Helga Philipp nennt sich ein zweiminütiger Film des 1989 verstorbenen österreichischen Experimentalfilmers Kurt Kren. Als Vorlage diente ihm ein schwarz-weißes Bild seiner Wiener Künstlerkollegin Helga Philipp, die Anfang der 1960er-Jahre mit ihren die Wahrnehmung befragenden Experimenten begann.

Die 1939 geborene Künstlerin, die an der Hochschule für angewandte Kunst ein Bildhauerstudium absolviert hatte, entwickelte in der Tradition von Op-Art und kinetischer Kunst ein bildnerisches OEuvre, in dem sie schwarze Rechtecke und Quadrate nicht nur flächig gegeneinander verschob.

Betritt man die derzeit laufende Ausstellung in der Galerie Winter, sieht man vielmehr eine Reihe kinetischer Objekte, die zwischen 1962 und 1968 entstanden. Mit ihnen lotete Philipp, die von 1965 bis zu ihrem Tod 2002 an der Angewandten unterrichtete, das Verhältnis zwischen Betrachter, Bewegung und Bild auch mehrdimensional aus. Es handelt sich dabei um Siebdrucke von geometrischen Formen auf Glas und Papier, die man in großen Holzrahmen sieht.

Je nach Betrachterstandpunkt kommt es zu Überlagerungen der kleinteiligen geometrischen Raster, wodurch sich eine Vielzahl optischer Effekte ergibt: Neben wellenartigen Interferenzen sieht man Wölbungen oder auch Bilder, die man heute eigentlich nur noch mit Spezialbrille im 3-D-Kino sieht.

Räumliche Tiefe

Illusion und optische (Ent-) Täuschung spielen in Philipps OEuvre eine wichtige Rolle. Gerade angesichts der frühen, überwiegend schwarz-weißen und seriellen Arbeiten ist aber auch unübersehbar, dass es der Künstlerin mehr um die feinen Nuancen, Differenzen und Abweichungen ging.

So hat sie für eine weitere Serie etwa Kreise als Grundform verwendet und auf eine Weise bemalt, dass sich durch die Überlagerung mehrerer Schichten Spiralformen und eine bemerkenswerte räumliche Tiefe ergeben.

Während sich diese dreidimensionalen Objekte beim Vorbeigehen laufend verändern, kommt man im letzten Raum noch einmal auf die Fläche zurück: Zu sehen ist dort eine Serie von Grafiken, auf denen sich durch Muster von Kreisen individuelle Spuren und Wege ziehen.

Philipps großartige Autoreifenprojekte aus den 1970er-Jahren hat man in diese erste Einzelpräsentation ihres Werkes in der Galerie Winter zwar nicht integriert - aber dafür sehen gerade diese versammelten grafischen Blätter so aus, als hätten sie als Skizzen für die abstrakten Objektarrangements im Wienfluss gedient. (Christa Benzer, DER STANDARD, 13.3.2014)

Bis 3.5.

Galerie Hubert Winter

Breite Gasse 17, 1070 Wien

  • Helga Philipp lotete mit ihren kinetischen Objekten das Verhältnis zwischen Betrachter, Bewegung und Bild aus.
    foto: david auner

    Helga Philipp lotete mit ihren kinetischen Objekten das Verhältnis zwischen Betrachter, Bewegung und Bild aus.

Share if you care.