Zeitungsverleger warnen vor weiteren Werbeverboten

12. März 2014, 13:27
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VÖZ-Präsident Kralinger: "unersetzliche Finanzierungssäule" für Printmedien - Zeitungen dürften ihr Geschäftsmodell "nicht ins Grab jammern"

Wien - Verlegerpräsident Thomas Kralinger warnt angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage der Medienbranche vor weiteren EU-Werbeverboten. "Werbeverbote verschlechtern die Erlössituation der Medien, nehmen Konsumenten ans Gängelband und gefährden die Marktwirtschaft. Ich kann nur vor weiteren Einschränkungen warnen", sagte der Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in einem APA-Interview.

So sei etwa in den vergangenen Jahren das Rubrikengeschäft bei Stellen- und Immobilienanzeigen durch zusätzlich verordnete Informationen "nachhaltig geschädigt worden, weil die Anzeigen durch diese Pflichtangaben teurer wurden". Der "Kurier"-Geschäftsführer spricht von "überschießendem und falsch verstandenem Konsumentenschutz" und fordert "statt Geboten und Verboten eine aktive Bewusstseinsbildung".

"Unersetzliche Finanzierungssäule"

"Beschränkungen schaden nicht nur den Medien, sondern auch der Werbewirtschaft und den jeweiligen Produzenten. Werbefreiheit ist auch eine Grundlage der freien Marktwirtschaft und für uns ist sie eine unersetzliche Finanzierungssäule. Aus unserer Sicht braucht es sehr rasch ein Ende der Debatte auf nationaler und europäischer Ebene. Konsumenten dürfen nicht bevormundet, sondern müssen überzeugt werden", erklärte Kralinger vor der Auszeichnung der Anzeigen des Jahres bei der VÖZ-"Adgar"-Gala am Donnerstag in Wien.

Die Lage auf den Werbemärkten sei laut Kralinger generell herausfordernder geworden. "Der Werbemarkt ist wesentlich volatiler und kurzfristiger in seinen Entscheidungen", so der VÖZ-Präsident. "Das Rubrikengeschäft im Print-Bereich hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich nach unten entwickelt. Die Kleinanzeigen werden zwar oftmals auf den stark wachsenden digitalen Plattformen der Verlage gebucht, aber die Konkurrenzsituation ist wesentlich schärfer geworden."

Unabhängiger Journalismus wichtig für den Wirtschaftsstandort

In konjunkturell mageren Zeiten wie sie Österreichs Wirtschaft nun mittlerweile seit einigen Jahren erlebt, kann Kralinger dem Sparen bei Media-Budgets nichts abgewinnen: "Die werbetreibende Wirtschaft muss ein Interesse an einer vitalen Medienlandschaft haben. Zeitungen, die guten und unabhängigen Journalismus über Österreich liefern, sind wichtig für unseren Wirtschaftsstandort und eine unersetzliche Werbeplattform für mündige Konsumenten."

Kritik an groß konzertierten Werbekampagnen auf Titelseiten gleich mehrerer Tageszeitungen nimmt Kralinger ernst und weist zugleich auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hin. "Wir verstehen uns als Partner der Werbewirtschaft. Ummantelungen sind sicher heikles Thema, bei strikter Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung allerdings für mich unproblematisch. "

Kritik an "Adblock Plus"

Schwere Geschütze fährt der VÖZ-Präsident unterdessen gegen die deutsche Eyeo GmbH und deren Internet-Werbefilter "Adblock Plus" auf. Kritik übt Kralinger am Umstand, dass große Unternehmen wie Google von Eyeo gegen Bezahlung auf eine "Whitelist" gesetzt und so nicht werbegefiltert werden. Der ORF hatte deshalb eine Sachverhaltsdarstellung an die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) übermittelt, der VÖZ wird hier grundsätzlicher und direkter vorgehen.

"Die Vorgangsweise zeigt wieder einmal, wie dringend in der digitalen Welt neue Regeln gefordert sind." Eyeo biete Konsumenten eine Dienstleistung, nämlich die Filterung von Werbung, an und verdiene dann genau daran, dass diese Dienstleistung teilweise wieder ausgeschaltet wird.

"Geschädigt werden dadurch Medienunternehmer, denen nachhaltig Umsätze entgehen, aber auch die Werbewirtschaft. Wir haben die Eyeo GmbH in einem ersten Schritt aufgefordert österreichische Medienplattformen auf ihre 'Whitelist' zu setzen und Werbung auf unseren Plattformen nicht zu beschränken. Sollte dieses Ansinnen seitens Eyeo abgelehnt werden, werden wir auch rechtliche Schritte ergreifen", so Kralinger.

"Nicht ins Grab jammern"

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Tageszeitung kommentiert der Verlagsmanager gelassen. "Es ist überhaupt keine Frage, dass sich die Medien heute in einer sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation befinden. Auf der einen Seite steht die zunehmende Digitalisierung mit dem nach wie vor fehlenden adäquaten Geschäftsmodell, auf der anderen Seite veränderte Lebensgewohnheiten, die den Printmarkt insgesamt unter Druck bringen.

Natürlich sind Restrukturierungsmaßnahmen für die Betroffenen unangenehm und bedauerlich, dies ist aber Teil des Wirtschaftslebens. Aus meiner Sicht besteht aber kein Grund, das Bestehen der gesamten Printbranche infrage zu stellen. Zeitungen und Journalisten dürfen ihr Geschäftsmodell nicht ins Grab jammern, sondern müssen die Herausforderung aktiv angehen. Nachrufe zu schreiben, ist weder neu noch provokativ, sondern einfach falsch."

In Qualität investieren

Umfragen bei den vergangenen Nationalratswahlen hätten etwa gezeigt, dass Printmedien die meistgenannte Informationsquelle bei politischen und auch wirtschaftlichen Entscheidungen sind. Reichweiten und Auflagen der heimischen Tageszeitungen liegen weiterhin im internationalen Spitzenfeld. Kralinger: "Wichtig ist, an der Marke zu arbeiten und in Qualität zu investieren. Ausschließlich durch Sparmaßnahmen wird man keinen Titel erfolgreich führen können. Nötig sind geänderte Prozesse, neue Strategien und auch neue Geschäftsmodelle, die bei vielen Verlagshäusern in Österreich bereits in die Wege geleitet wurden." (APA, 12.3.2014)

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