Vier neue Michelin-Sterne in Wien

12. März 2014, 13:49
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Sterne an Filippou, Tian, Vincent und Edvard. Skandinavien ab 2015 mit eigenem Guide

Die schlechte Nachricht zuerst: Während Österreich von den Michelin-Testern wie schon seit 2009 (als der kurzlebige Österreich-Guide eingestellt wurde, Anm.) für unwürdig befunden wird, in einem eigenen Guide bewertet zu werden, haben die Hohepriester des feinen Essens – wenn auch mit charakteristischer Verspätung – auf die Food-Revolution im hohen Norden Europas reagiert: Die skandinavischen Länder, erklärte Michelin-Chef Michael Ellis am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Stockholm, werden 2015 ihren lang ersehnten "Nordic Guide" erhalten.

Theoretisch wären damit drei Sterne auch für René Redzepis Noma, für Magnus Nilssons Fäviken und Björn Frantzens nach ihm benannten Restaurant in Stockholm möglich – alles Restaurants, deren Küche den Diskurs über die Weiterentwicklung der Hochküche in den vergangenen Jahren international mitbestimmt hat. Michelin hat nämlich bislang noch nie drei Sterne in einem Land vergeben, das nicht auch einen eigenen Guide für sich verbuchen konnte.

Für die österreichischen Köche ist das freilich eine bittere Bestätigung, dass ihre Küche international immer weniger dazu angetan ist, für Schlagzeilen zu sorgen – nicht einmal bei den ohnehin als hyperkonservativ geltenden Michelin-Juroren.

Vier neue Einsterner in Wien

Jetzt zur guten Nachricht: Mit Konstantin Filippou, Paul Ivic vom Tian, Philipp Vogel vom Edvard im Hotel Kempinski und Alexander Mayer vom  Vincent werden gleich vier neue Köche aus Wien im Michelin-Guide "Main Cities of Europe", dem einzigen, in dem österreichische Restaurants noch vorkommen, mit einem Stern ausgezeichnet. Filippou kennt das Gefühl als Einziger bereits, er hatte schon als Küchenchef des mittlerweile geschlossenen Novelli einen Stern inne.

Die bereits bestehenden zwei Sterne für Steirereck und Palais Coburg wurden im neuen Michelin bestätigt, dasselbe gilt für die Einsterner Bauer, Dombeisl sowie Mraz & Sohn. Gemeinsam mit den neu Geehrten hat Wien nun zwei Zweisterner und sieben Einsterner zu verbuchen. Das ist respektabel. Zum Vergleich: Die nordische Gourmet-Metropole Kopenhagen kann ebenfalls zwei Doppelsterne (Noma und Geranium), allerdings 14 Einsterner für sich verbuchen. Wobei: Die dänische Hauptstadt hat gerade einmal halb so viele Einwohner wie Wien. In Salzburg bleibt die Situation mit den Einsternern Ikarus, Pfefferschiff und Carpe Diem unverändert.

Erfreulich sind auch die neu mit einem "Bib Gourmand" als lohnende und preiswerte Lokale ausgezeichneten Wien-Adressen Das Engel von Una Abraham, Speisekammer von Roman Steger, Harry's Time von Florian Prandstätter, Mochi von Edi Dimant und Tobi Müller sowie Hohensinn von Josef und Annabelle Hohensinn. (Severin Corti, derStandard.at, 12.3.2014)

  • Konstantin Filippou erkochte sich im eigenen Restaurant auf Anhieb einen Stern.
    foto: gerhard wasserbauer/wasserbauer.cc

    Konstantin Filippou erkochte sich im eigenen Restaurant auf Anhieb einen Stern.

  • Die Liste der Sterne-Restaurants der "Main Cities of Europe" zum Download.

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