Amsterdam will kein Kifferparadies mehr sein

12. März 2014, 09:49
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Mehr als die Hälfte der Coffeeshops im Stadtzentrum werden geschlossen

Nach über 40 Jahren droht der Kifferidylle in der niederländischen Hauptstadt das Aus. Amsterdam will sein Image als Drogen-Paradies loswerden. Im Zentrum der Stadt werden die Hälfte der 78 Coffeeshops geschlossen, einige sind bereits dicht. Viele Coffeeshops stehen vor der Zwangsschließung.

Seit Jänner darf etwa Michael Veling sein Cafe erst um 18 Uhr öffnen. "2016 ist ganz Schluss", so der Unternehmer und dreht sich eine Zigarette. "Und das nur wegen 20 Metern." Denn im Umkreis von 250 Metern einer Schule dürfen nach Vorgabe der Regierung in Den Haag keine Drogen mehr verkauft werden.

Amsterdamer Haschläden sind doppelt von der neuen Anti-Drogen-Linie betroffen. Sie leiden bereits unter dem "Project 1012". Unter diesem Namen räumt die Stadt das weltberühmte Rotlichtviertel mit der Postleitzahl 1012 gründlich auf. Im Kampf gegen Geldwäsche und Frauenhandel werden nicht nur 192 Rotlicht-Fenster geschlossen. Auch 26 Coffeeshops müssen dran glauben. Zusätzlich haben 13 Haschläden Pech, weil sie in der Bannmeile einer Schule liegen. Vier wurden bereits geschlossen, der Rest folgt phasenweise bis 2016.

Seit den Restriktionen blüht der Straßenhandel, mahnt der Unternehmer Veling, der auch Vorsitzender des Verbandes der Cannabis-Einzelhändler ist. Er weist auf einige herum lungernde Gestalten in der engen Gasse, dem Oudebrugsteeg. "Sieben Dealer. Und die verkaufen auch illegale Drogen wie Ecstasy oder Kokain."

Amsterdam beugte sich nur widerstrebend dem neuen Schulkriterium. Denn bisher hatte es praktisch keine Probleme im Umfeld von Schulen gegeben. "Das ist aber der Preis, um das größere Unheil des Hasch-Passes zu verhindern", sagt Veling. Er spielt an auf den Plan der Mitte-Rechts-Regierung, den Verkauf von Hasch nur noch mit einem Ausweis zu gestatten und für Touristen zu verbieten - der wurde aufgegeben. "

Es blieben noch genügend Coffeeshops geöffnet, versucht die Stadt Amsterdam zu beruhigen. Kiffer seien nach wie vor willkommen. Schließlich sind die Coffeeshops neben den Grachten und Rembrandt eine der Haupt-Attraktionen der Stadt. Schätzungsweise rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz machen die Hasch-Läden allein im Zentrum. Weitaus die meisten Kunden sind Touristen.

In den rund 650 niederländischen Coffeeshops darf im Prinzip jeder Erwachsene über 18 Marihuana oder Haschisch legal kaufen. Der Besitz von fünf Gramm dieser sogenannten weichen Drogen ist nicht strafbar. Seit 2013 können Kommunen den Verkauf an Ausländer untersagen, um den Drogentourismus vor allem aus Deutschland und Belgien zu unterbinden. Bisher müssen Kunden allerdings erst in einigen südniederländischen Städten im Grenzgebiet nachweisen, dass sie in den Niederlanden wohnen.

Während der Verkauf für den privaten Konsum erlaubt ist, bleibt der Anbau von mehr als fünf Cannabis-Pflanzen verboten. Dadurch entsteht die merkwürdige Situation, dass Coffeeshops zwar legal Haschisch verkaufen dürfen, die Ware aber illegal durch die Hintertür angeliefert wird. 35 Bürgermeister haben die Regierung aufgefordert, auch den Anbau von Cannabis für die Belieferung zu gestatten. Trotz eines landesweit geltenden Rauchverbots können Kunden in zahlreichen Coffeeshops noch Joints rauchen, allerdings ist der Verkauf von Alkohol verboten. (APA, 12.3.2014)

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    foto: apa
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