"Jede Hoffnung erwartet Realisierung"

11. März 2014, 17:54
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Pfarrer-Initiative sieht Bischöfe als "Risikofaktor "

Wien - Kardinal Christoph Schönborn ist mit dem neuen Chef zufrieden. Rechtzeitig zum Jahrestag des Amtsantritts von Papst Franziskus zieht der Wiener Erzbischof eine "freudige" Bilanz. "Es war mein zweites Konklave. Ein Ereignis, das man nicht so leicht vergisst. Mich bewegt der Jahrestag daher sehr", bilanzierte Schönborn am Dienstag.

Es sei der "Schock der Authentizität", den Franziskus hervorgerufen habe, ist Schönborn überzeugt. Franziskus habe "ganz klare Zeichen eines veränderten Stils vorgelebt und praktiziert", mit Traditionen gebrochen, "die man für fast selbstverständlich hielt". Durch den Verzicht auf die Residenz im apostolischen Palast habe der Papst etwa einen direkteren Zugang zu den Menschen.

Aber auch die Schritte hin zu einer Kurienreform würdigt Schönborn: "Papst Franziskus ist auch ein Mann der Entscheidungen. Er lässt sich ausgiebig beraten, er hört viel zu, und dann entscheidet er klar und sehr mutig." Die Kurienreform geht laut dem Wiener Erzbischof zudem "sehr zügig voran".

Auch für ein offeneres Gesprächsklima habe Franziskus gesorgt, betonte Schönborn. Nicht zuletzt durch die weltweite Umfrage in den Diözesen zu Ehe und Familie. "Das wirkt sich dahin gehend aus, dass kontroverser und freier miteinander geredet wird", berichtete der Kardinal. Auch in der österreichischen Bischofskonferenz? Schönborn: "Da ist das Klima schon seit Jahren besser." Vor allem weil einige "Konfliktpotenziale", die auch personalisiert waren, nicht mehr "aktiv" seien.

"Passivität" verärgert

Zurückhaltender als Schönborns Eloge fiel die Einschätzung der Pfarrer-Initiative aus. Es sei eine "gemischte" Bilanz, hieß es bei den aufmüpfigen Pfarrern. Schuld daran ist aber gar nicht so sehr der Papst selbst, den die auf Reformen drängenden Pfarrer als Reformpapst, der Türen öffnet, beschreiben, sondern vielmehr sind es die Bischöfe, die sich reformunwillig zeigen. "Wir haben Angst, dass der Papst allein gelassen wird", sagte Initiativen-Sprecher Helmut Schüller. Auf Ebene der Bischofskonferenzen ortet er nur "Passivität". Schüller: "Wenn es scheitert, dann nicht an ihm, sondern an den Bischöfen, die auf seine Reformbemühungen nicht einsteigen. Das ist der Risikofaktor."

Auch Peter Paul Kaspar, Rektor der Ursulinenkirche Linz und Gründungsmitglied der Initiative, freute sich zwar über einen "völlig anderen Papst als Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte davor", einen der mit der "Diktatur" Schluss macht, sagt aber: Franziskus sei im "Greisenalter", daher stelle sich die Frage, ob er Reformen "durchsteht und ob "seine Nachfolger nicht alles wieder zurückadministrieren".

Auf einen Reformstopp hofft die Pfarrer-Initiative hingegen bei der Zusammenlegung von Pfarrgemeinden. Diese wird strikt abgelehnt. Denn so "würden die Pfarrer als Herumreisepriester, die nirgend zu Hause sind, verheizt werden." Statt die Gemeinden zu "anonymen Großclustern" zusammenzuschließen, müsse die Kirche das Priesteramt für verheiratete Männer und für Frauen öffnen und "den sogenannten Laien" mehr Verantwortung zutrauen, sagte Schüller. Die "Einfallslosigkeit" der Bischöfe passe nicht zu einem Papst, der "fast nichts so stark predigt wie die Nähe zu den Menschen".

Der Reformbewegung "Wir sind Kirche" fordert Taten ein: "Jede Hoffnung erwartet Realisierung. Das ist der Punkt, wo sich entscheidet, ob die Hoffnung begründet war oder blinde Illusion ist", erklärte Vorsitzender Hans Peter Hurka. Es brauche "die Korrektur von Glaubenssätzen und die Anpassung des Kirchenrechts". Man habe Verständnis, dass Reformen Zeit brauchen, nur: "Sie dürfen keinesfalls zu einem Abbruch führen." (mro, pm, DER STANDARD, 12.3.2014)

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