Krim-Krise: EU und Nato nicht zu trennen

Kommentar11. März 2014, 17:42
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Der kleine "Aufmarsch" soll den Mitgliedsländern in Osteuropa zeigen, dass sie im Notfall nicht alleingelassen werden

Der kleine "Aufmarsch" von Nato-Kräften an den Grenzen zur Ukraine ist nicht viel mehr als eine Geste unter militärischen Bündnispartnern. Vorerst. Diese Dimension sollte man bei der jüngsten Entwicklung der Krim-Krise auf osteuropäischem Boden im Blick behalten.

Kein Anlass für vorschnellen Alarmismus: Wenn ein paar US-Jets über Polen üben, zwei AWACS-Überwachungsmaschinen der Allianz zusätzlich über Rumänien kreisen und vor der Schwarzmeerküste Kriegsschiffe zur Übung auffahren, dann hat das mit konkreten Kampf- oder Kriegsvorbereitungen nichts zu tun.

Die Regierungen der Nato-Staaten (die zum größeren Teil auch Mitglieder der Europäischen Union sind) wollen damit ein doppeltes Signal aussenden: zum einen an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der die Krim über seine Vasallen offenbar bereits fest im Griff hat, noch vor dem Referendum über den Anschluss. Russland (und die Welt) soll sehen, dass der Westen nicht nur ein zahnloser Verhandlungsverein ist, sondern Waffen hat, die er (wie im Kosovo oder in Libyen) auch einzusetzen bereit ist.

Vor allem soll den Bürgern der jungen Nato-Mitgliedsländer in Osteuropa gezeigt werden, dass sie im Notfall nicht alleingelassen werden. Eine derartige Demonstration und Zuspitzung hat es seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und der EU-Erweiterung noch nie gegeben: Wenn es hart auf hart geht, sind EU und Nato nicht zu trennen. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 12.3.2014)

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