Der verräterische Heiligenschein der Venus

13. März 2014, 22:22
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Eine auf der Wolkendecke der Venus beobachtete Glorie hilft, Bestandteile der Atmosphäre zu identifizieren

Dass die Venus mit ihrer Oberflächentemperatur von über 400 Grad Celsius und ihren Wolken aus ätzender Schwefelsäure nicht unbedingt ein lebensfreundlicher Ort ist, weiß man schon lange. Die genaue Zusammensetzung der gelblichen Wolkenschicht, die den Planeten einhüllt, gab allerdings noch einige Rätsel auf.

Nun gelang es Wissenschaftern am Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, mehr über die Größe und Zusammensetzung der Partikel der Wolken zu erfahren. Diese könnten zusätzlich reinen Schwefel oder Eisenchlorid enthalten, schreiben sie im Fachblatt Icarus.

Für ihre Untersuchungen benutzten sie Daten der europäischen Weltraumsonde Venus Express, die sich seit 2006 in einem Orbit um die Venus befindet. Gezielt versuchten die Forscher immer wieder, die Sonde in eine ganz spezielle geometrische Konfiguration zu bringen: Mit der Sonne im Rücken wollten sie die Atmosphäre fotografieren, um eine bestimmte Lichterscheinung zu beobachten: eine Glorie.

Bei diesem Phänomen, das seinen Namen in Anlehnung an den Heiligenschein in Ikonen erhielt, bilden sich leuchtende konzentrische Kreise um den Schatten eines Objekts, da die Tröpfchen in den Wolken das Licht der Sonne zurückstreuen.

Flugreisende können manchmal Glorien beobachten, wenn der Schatten des Flugzeuges auf eine darunterliegende Wolkendecke fällt. Die Bilder der deutschen Forscher zeigten aber nun erstmals eine solche Glorie auf einem anderen Himmelskörper als der Erde. Anders als auf dem Bild eines Flugzeuges ist der Schatten von Venus Express dabei wegen seiner Kleinheit aber nicht auf den Aufnahmen zu erkennen.

Eine Glorie kommt nur zustande, wenn sich der Beobachter genau in Sichtlinie zwischen der Sonne und den Wolken befindet. Die Breite der Ringe aus Licht und ihre relative Helligkeit sind dabei nicht etwa dem Zufall überlassen, sondern von der Größe der Wolkenteilchen und ihren Lichtbrechungseigenschaften abhängig. Diesen Zusammenhang machten sich die Forscher in ihrem Experiment zunutze. Am Computer simulierten sie die optischen Vorgänge, welche die Glorie entstehen lassen, und versuchten so, die Erscheinung genau zu rekonstruieren.

"In unseren Rechnungen lässt sich die Glorie, die wir beobachtet haben, mit reiner Schwefelsäure nicht reproduzieren", erklärt Wojciech Markiewicz, Erstautor der Studie. Der Untersuchung zufolge müssen die Partikel, die in den Wolken zusätzlich vorkommen, eine Größe von 1,2 Mikrometer aufweisen. Sie könnten aus einem Kern aus Eisenchlorid bestehen, der von einer Hülle aus reinem Schwefel umgeben ist.

Auch der Lösung eines weiteren Rätsels der Venus könnte man damit nun einen Schritt nähergekommen sein. Schon seit gut 90 Jahren weiß man, dass in ihrer Atmosphäre ein starker Absorber für ultraviolettes Licht vorkommen muss. Worum es sich dabei genau handelt, war aber unklar. Mögliche Kandidaten für den unbekannten Stoff gab es reichlich: Bromwasserstoffsäure, amorpher Schwefel, gasförmiges Chlor und sogar Bakterien wurden ins Spiel gebracht. Die von den deutschen Wissenschaftern nun beschriebenen Teilchen könnten die Lösung sein. (guge, DER STANDARD, 12.3.2014)

  • Die auf der Venus beobachtete Glorie ist auch auf der Erde zu sehen, zum Beispiel bei Flugreisen über einer Wolkendecke.
    foto: reuters/jason reed

    Die auf der Venus beobachtete Glorie ist auch auf der Erde zu sehen, zum Beispiel bei Flugreisen über einer Wolkendecke.

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