Brüchige Idylle

11. März 2014, 17:19
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In "Alpenvorland" brechen alte Feindseligkeiten zwischen Jugendfreunden auf

Ein Baugrund draußen auf dem Land. Man blickt auf Alpengipfel. Ein Bach fließt vorbei. Der Grundriss des künftigen Hauses ist mit Pflöcken abgesteckt. Alles scheint wohl durchdacht und geplant. So auch die Lebensentwürfe der stolzen Grundbesitzer Hannes (Kristoffer Nowak) und Heidi (Marion Fuhs). Um einen Kindergartenplatz schaut man sich schon mal um, schwanger wird man dann in zwei Jahren. Aber vorerst muss der Stolz zur Schau gestellt werden.

Man lädt Jugendfreunde auf das Grundstück, der Elektrogrill wird angesteckt. Bier fließt in rauen Mengen. Doch die Party will nicht ungetrübt bleiben. Die Idylle wird brüchig. Alte Feindseligkeiten zwischen den Jugendfreunden brechen auf. Das Land verkommt zur Provinz, der Bach birgt die Gefahr des Hochwassers, der Baugrund liegt eingezwängt zwischen öden Einfamilienhäusern, und der Blick auf die Berge wird regelmäßig vom vorbeirasenden Railjet unterbrochen.

Der aus dem oberösterreichischen Schlierbach stammende Thomas Arzt erzählt in Alpenvorland von Heimat, vom Erwachsenwerden, von Hoffnungen für die Zukunft und davon, wie diese bitter enttäuscht werden. 2012 wurde er dafür beim Heidelberger Stückemarkt mit dem Autorenpreis ausgezeichnet. Regisseur Fabian Kametz gelingt an den Innsbrucker Kammerspielen eine bemerkenswerte Inszenierung. Radikal unterbricht er immer und immer wieder den Lauf der Handlung durch innere Monologe und verstörenden Sprechgesang. (dns, DER STANDARD, 12.3.2014)

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