Prozess gegen das Paar, das sich nicht trennen kann

11. März 2014, 16:57
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Ein Mann und eine Frau sitzen vor Gericht, weil sie ihren Beziehungsstatus nicht wirklich in den Griff bekommen. Es gab Messerstiche, Schläge und Morddrohungen

Wien - "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich", verharmlost der Volksmund gerne gewalttätige Beziehungen. In manchen Fällen kommt aber genau das vor, und darum sitzen Mario K. und Katarina K. vor Richterin Petra Poschalko. Staatsanwältin Therese Schmidhuber wirft ihnen Körperverletzung, ihm zusätzlich Nötigung und gefährliche Drohung vor.

Abwertend als "Pack" kann man die beiden nicht beschreiben. Der 30-Jährige ist Elektriker, die 36-Jährige hat die Matura und arbeitet als Angestellte. Der Angeklagte ist nicht nur nervös, sondern scheint regelrechte Angst vor der Richterin zu haben, als er sich zitternd auf den Anklagestuhl setzt.

Es geht um die "sehr heftige Beziehung", wie es Polaschko euphemistisch ausdrückt. "Wir sind einmal zusammen und einmal nicht", sagt K., "wir haben sicher 50-mal gestritten", entschuldigt er sich, dass er sich an den speziellen Vorfall vom 8. Mai nicht mehr genau erinnern kann.

Mit Messer, Fleischgabel und Schere

Der Beziehungsstatus war damals unklar, man saß in ihrer Wohnung und trank Wein. Irgendwie kam es zum Streit, er schlug sie mehrmals. Worauf die Frau aus der Küche mit einem Messer, einer Fleischgabel und einer Schere zurückkam und ihn von hinten in die rechte Gesäßhälfte und den linken Oberschenkel stach. "Ich wollte ihm dann helfen und mit Desinfektionsspray behandeln, aber er ist mit blutendem Hintern durch die Wohnung gerannt und hat herumgeschrien."

Ein Messerstich reichte nicht für das Beziehungsende, daher sind auch Vorfälle vom 8. und 9. September angeklagt. Am 8. hat K. gedroht, die Familie seiner Partnerin "auszurotten". Am Tag darauf soll er ihr in einer Tankstelle in Rage "Erst ist die Saskia (die Tochter der Frau, Anm.) dran, und dann hol ich mir dich auch noch" zugeschrien haben.

"Ich weiß es leider nicht mehr, könnte sein", sagt er kleinlaut. "Wie ist denn Ihr Umgangston? Sagen Sie so was öfters?" "Neeiiinnn", antwortet er. "Waren Sie alkoholisiert?" "Ja. Aber ich habe es nie so gemeint."

Psychotherapie und -pharmaka

Auch das genügte nicht für die Trennung. "Sind Sie jetzt zusammen?", fragt die Richterin. K. schaut die Angeklagte an, die antwortet. "Ja, wir versuchen es", sagt sie. "Ich gehe zum Psychotherapeuten und nehme Pulver, damit ich mich nicht mehr so aufrege und alles auf mich beziehe" , erklärt der Angeklagte dazu.

"Haben Sie einander verziehen?", fragt Poschalko am Ende. "Ja, ich denke schon", sagt er. "Wenn man einen Menschen liebt, verzeiht man", sagt sie.

Der Mann erhält drei Monate bedingt, die Frau zwei, beides nicht rechtskräftig. "Eine Diversion kommt leider Gottes nicht infrage. Es hat sich bei Ihnen so viel abgespielt, das ist keine Lappalie", erklärt Poschalko. Und sie rät den beiden, sich nicht zu schlagen, sondern zu vertragen. "Wenn Sie noch einmal hier sitzen, geht es nicht so glimpflich aus." (Michael Möseneder, DER STANDARD, 12.03.2014)

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