Eiszeit im Bischofshof

Kommentar11. März 2014, 13:16
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In Österreich agieren die Bischöfe weiterhin als Basis-Totengräber

Man mag über die einjährige Amtszeit von Papst Franziskus geteilter Meinung sein. Für jene Katholiken, die unter Benedikt XVI. noch  jeden Abend theologisch wohlgenährt nach Hause gingen, gibt Papst Franziskus angesichts seiner Volksnähe und Bescheidenheit wohl zu sehr den "Dorfpfarrer". Andererseits jubeln jetzt jene, die unter dem benediktinischen Konservatismus kaum Bewegungsspielraum sahen. Den Frühlingswind spüren aber beide Seiten. Noch kein "Sommer" – aber es ist ein Aufbruch.

Das päpstliche Reformprogramm "Evangelii Gaudium" (Die Freude des Evangeliums) liegt wohl auch hierzulande auf jedem bischöflichen Nachtkastl. Man wird nicht müde, die jüngste "heilige" Schrift zu lobpreisen. An der Reformresistenz der geistlichen Würdenträger in Österreich haben die mahnenden Worte des Papstes aber nichts geändert.

Ihm sei eine Kirche lieber, die auf die Straßen hinausgeht, als eine Kirche, die an ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit krankt, schreibt Papst Franziskus. Die Kernbotschaft könnte deutlicher nicht sein: Der Herzschlag einer lebendigen Kirche ist die Nähe zu den Menschen. Doch in Österreich agieren die Bischöfe weiterhin als Basis-Totengräber: Der Kahlschlag bei den Pfarrgemeinden wird unbeirrt fortgesetzt: Kreative Vorstöße für die dringend notwendige Modernisierung der Kirche bleiben weitgehend aus. Kreative, an örtliche Pfarrgegebenheiten angepasste Leitungsmodelle werden nicht einmal angedacht. Der Papst hat neue Spielräume geschaffen, genutzt werden diese von den österreichischen Bischöfen bis dato nicht. In Rom ist Frühling, in Österreich ist tiefster Winter. (Markus Rohrhofer, derStandard.at, 11.3.2014)

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