Lichtverschmutzung verhindert Regeneration der Regenwälder

21. März 2014, 18:34
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Regionen mit mehr künstlicher Beleuchtung werden von nachtaktiven, Samen verbreitenden Tieren gemieden

Zunehmende Lichtverschmutzung macht auch den tropischen Regenwäldern und ihrer Biodiversität zu schaffen. Erstmals konnte in einem Urwald in Costa Rica nachgewiesen werden, dass Samen verbreitende Fledermäuse weniger Früchte in lichtverschmutzten als in dunklen Gebieten ernten. Die Folge davon ist eine verminderte Verbreitung von Samen, was wiederum die Regeneration von Regenwäldern behindern kann.

Daniel Lewanzik und sein Team vom Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berli griffen für ihre Erkentnisse auf Experimente zurück. Die Forscher unterteilten einen Flugkäfig in zwei Kammern. In der einen war es dunkel, die andere wurde mit einer Natriumdampflampe beleuchtet. Diese Lampen werden weltweit bei Straßenbeleuchtungen eingesetzt. In den Kammern wurde Früchte fressenden Kurzschwanz¬-Blattnasenfledermäusen (Carollia sowelli) ihr Lieblingsessen angeboten: Früchte von Pfeffergewächsen der Gattung Piper.

Dunkelheit bevorzugt

Die Ergebnisse des Versuches zeigten, dass die Fledermäuse die dunkle Kammer doppelt so häufig wie die beleuchtete aufsuchten, und in der dunklen Kammer auch fast doppelt so viele Früchte ernteten.

In einem zweiten Experiment richtete Lewanzik die gleichen Straßenlampen auf frei im Regenwald stehende Pfeffergewächse. Es stellte sich heraus, dass die Fledermäuse bei beleuchteten Pflanzen nur 78 Prozent der reifen Früchte ernteten. Wurden die Pflanzen nicht beleuchtet, holten sich die Fledermäuse hingegen alle reifen Früchte. Die Meidung von künstlichem Licht ist bereits von europäischen, Insekten fressenden Fledermäusen bekannt, wurde aber noch nie bei tropischen, Frucht fressenden Fledermäusen nachgewiesen.

Der Umstand, dass Frucht fressende Fledermäuse der Tropen beleuchtete Gebiete meiden, kann beträchtliche Auswirkungen auf die Regeneration von Regenwäldern haben. Früchte fressende Fledermäuse spielen bei der Ausbreitung von Samen eine zentrale Rolle.

Wichtiger "Samenregen" bleibt aus

"Besonders bedeutsam ist die Samenausbreitung von Fledermäusen auf degradierten oder abgeholzten Waldflächen. Die Freiflächen werden oft schon nach wenigen Jahren nicht mehr bewirtschaftet, da tropische Böden zu wenige Nährstoffe enthalten. Neben Fledermäusen tragen kaum andere Tiere Samen von Pionierpflanzen in solch offene und wenig Schutz bietende Flächen ein. Diese Pionierpflanzen, wie z. B. Pfeffergewächse, sind aber essentiell um eine Wiederbewaldung anzustoßen", erklärt Lewanzik.

Unter natürlich dunklen Bedingungen erzeugen Früchte fressende Fledermäuse einen ausgiebigen "Samen-Regen", indem sie während des Fluges die Samen mit ihrem Kot verteilen. Durch die Lichtverschmutzung reduziert sich womöglich der produktive "Samen-Regen", da in beleuchteten Gebieten die nächtliche Nahrungssuche der Früchte fressenden Fledermäuse geringer ausfällt. Besonders in tropischen Ländern, in denen Bevölkerung und Wirtschaft rapide wachsen, nimmt die Lichtverschmutzung stark zu. (red, derStandard.at, 21.03.2014)

  • Die Forscher beobachteten das Verhalten der Früchte fressenden Fledermaus Carollia sowelli in Costa Rica. Es zeigte sich, dass die Tiere lichverschmutzte Regionen meiden.
    foto: schneeberger k/izw

    Die Forscher beobachteten das Verhalten der Früchte fressenden Fledermaus Carollia sowelli in Costa Rica. Es zeigte sich, dass die Tiere lichverschmutzte Regionen meiden.

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