Nie mehr: "Wir haben keine Frauen gefunden"

11. März 2014, 09:57
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Expertinnen-Datenbanken sollen das Problem lösen: Nun werden mit der "Speakerinnen"-Plattform auch netzaffine und feministische Themen abgedeckt

Es ist eines dieser Themen, die frauenbewegte Menschen seit Jahrzehnten umtreiben: Warum schaffen es Konferenz-VeranstalterInnen nicht, einen ausgewogenen Frauenanteil auf ihren Diskussionen und Panels zu präsentieren? Nicht nur beim "World Economic Forum" in Davos ist der verschwindende Frauenanteil an Sprecherinnen ein Problem, sondern auch bei vielen anderen kleineren Veranstaltungen, wo die Weltöffentlichkeit nicht zugegen ist.

Expertinnen Mangelware?

Offene Frauendiskriminierung will sich heute kein Veranstalter mehr leisten. Jetzt heißt es, man habe ganz umfassend nach einer Expertin zum Thema gesucht, aber leider, leider, konnte keine Frau gefunden werden, die beispielsweise über die geplante Festplattenabgabe diskutieren hätte können, oder die ORF-Reform, oder die Ukraine-Krise, oder...

Dem Argument "Wir haben leider keine Frau gefunden" versuchen Feministinnen bereits seit geraumer Zeit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es gibt heute zahlreiche Online-Datenbanken, die sich auf die Präsentation von Expertinnen spezialisiert haben. Die Femtech-Expertinnen-Datenbank in Österreich ist eine davon. Aktuell sind dort über 1600 Expertinnen registriert, die vornehmlich im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich tätig sind.

Neue Platform für netzaffine Expertinnen

Auch in Deutschland gibt es solche Initiativen, wie etwa das Portal academia-net.de oder auch femconsult.de. Nun kommt zu den alt eingesessenen Schwestern noch ein neues Portal hinzu: www.speakerinnen.org

Hinter der Plattform steht keine Organisation, sondern die feministische Netz-Aktivistin Anne Roth, die ihre kompetenten Kolleginnen öfter im Rampenlicht sprechen hören will. Die Plattform wurde als Lernprojekt der "Rail Girls Berlin" aufgesetzt und wird auch weiterhin von der Gruppe technisch betreut.

Die übergeordneten Kategorien, nach denen Interessierte nach Expertinnen suchen können, sind derzeit noch eher netzaffin angelegt: Digitalisierung, Netzfeminismus, Social Media oder auch Popkultur heißen diese unter anderem. Grundsätzlich sei die Plattform jedoch für Expertinnen aus allen Themenbereichen offen, so Anne Roth.

Usability

Bereits nach kurzer Zeit hat sich zudem eine beachtliche Liste an getagten Themen auf der Seite gebildet – von "ADHS" bis "erneuerbare Energien" von "Kinderrechte" bis "Österreich" - um nur einige wenige zu nennen. Diese Themenanordnung ermöglicht es zwar, mit einem Klick die Expertin für dieses eine Thema auf dem Bildschirm zu haben, doch der Nachteil besteht darin, dass man sich in dieser Darstellung zuerst durch einen Wust an ungeordneten, sich zum Teil auch überschneidenden Begriffen kämpfen muss.

Die Plattform ist erst seit kurzem im Netz (sie ging am 8. März diesen Jahres online) und kann sich bereits jetzt über mehr als 200 Einträge freuen. Wir dürfen gespannt sein, ob es diese Plattform schafft, die Gender-Schieflage auf den Podien dieser Welt zu korrigieren.  Die vielen anderen Datenbanken, die bereits existieren, lassen darauf schließen, dass es vermutlichl noch andere Gründe außer die schlichte Ignoranz von weiblicher Expertise für die Misere gibt. (freu, dieStandard.at, 11.3.2014)

  • Die zweifache Nobel-Preisträgerin Marie Curie dient den Speakerinnen als Testimonial.
    foto: speakerinnen.org

    Die zweifache Nobel-Preisträgerin Marie Curie dient den Speakerinnen als Testimonial.

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