Obamas letzte echte Vertraute verlässt Weißes Haus

11. März 2014, 05:30
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Fast wie eine Verwandte, heißt es, sehen Barack Obama und seine Familie die persönliche Assistentin Alyssa Mastromonaco

Nun verlässt sie ihren Arbeitsplatz - als eine der letzten Bezugspersonen aus der Zeit vor der Präsidentschaft.

Es war ein kleiner Kreis engster Vertrauter, der mit dem Senator Barack Obama grübelte, ob es zu früh, zu verwegen sei, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Herbst 2006: die Zeit der Weichenstellung. Pete Rouse, Obamas rechte Hand, ein alter Hase, legte ein Arbeitspapier vor, das in der Frage gipfelte: "Fühlst du dich eingeschüchtert bei dem Gedanken, Anführer der freien Welt zu sein?"

Alyssa Mastromonaco, damals 30, saß mit in der Runde, die sich im Chicagoer Büro des Strategieberaters David Axelrod versammelt hatte. Sie soll versucht haben, es ihrem Chef auszureden, denn gegen Hillary Clinton schien in den demokratischen Vorwahlen kein Kraut gewachsen. Außerdem, sagte sie später, "hätte ich wirklich gern gearbeitet für jemanden, der nicht Präsident werden wollte" - es wäre ruhiger gewesen. Was nichts daran änderte, dass sie bald halbe Kampagnennächte durcharbeitete, als Verwalterin des Terminkalenders, auf deren Schreibtisch jedes kleinste Detail landete. Im Mai verlässt sie nun das Weiße Haus. Von denen, die 2005 im Stab des frischgebackenen US-Senators Obama begannen, ist sie die Letzte, die ihren Regierungsposten aufgibt.

Symbol für Chicago-Blase

Mastromonaco, wissen Insider, färbt sich seit Jahren ihr rotblondes Haar, um graue Strähnen zu überdecken. Es lässt erahnen, welchen Stress sie aushalten muss. Dem Protokoll nach ist sie stellvertretende Stabschefin, aber so ein Titel sagt bekanntlich nicht viel. "Sobald Barack glaubt, er habe sein Leben nicht mehr unter Kontrolle, es werde alles zu viel, meldet er sich bei Alyssa", skizzierte der Adlatus Rouse einmal die wahre Rolle der Assistentin. Für Obama sei Alyssa wie eine Verwandte. Mancher vergleicht sie mit Valerie Jarrett, der alten Mentorin aus Chicago, die wie selbstverständlich Zutritt zu den Privatgemächern des Weißen Hauses hat. Kritiker wiederum sehen in Mastromonaco, genau wie in Jarrett, ein Symbol für das Dilemma einer Machtzentrale, die zur Machtblase wurde. Die Chicago-Connection, jene Gemeinschaft aus alten Tagen, war eben immer auch ein Wall, der Obama abschottete von der Realität.

Auf alle Fälle ist die 38-Jährige ein Paradebeispiel für das Inselleben Washingtons. Nach dem Studium wurde sie Pressesekretärin bei Rick Boucher, einem Abgeordneten aus Virginia, ehe sie im Wahlkampf 2004 beim demokratischen Präsidentschaftsbewerber John Kerry anheuerte. Verheiratet ist sie mit David Krone, Stabschef des Senators Harry Reid. Flitterwochen gab es nicht, nach zwei freien Tagen im November ging es zurück an die Arbeit. Was Mastromonaco dagegen völlig abgeht, sind Berufserfahrungen jenseits von Kongress und Administration - auch das ist symptomatisch.

Als Nächstes wird sie sich wohl um das Projekt Präsidentenbibliothek kümmern - eine Mischung aus Archiv und Schaukasten, wie sie jedem zusteht, der im Oval Office residierte. Im Fall Obamas melden neben Chicago, dem Favoriten, weitere Aspiranten Ansprüche an: Hawaii, Ort seiner Kindheit, und New York, wo er an der Columbia University studierte. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 11.3.2014)

  • Mit Alyssa Mastromonaco verabschiedet sich die Letzte aus Barack Obamas Team, als er noch nicht Präsident war. 
    foto: reuters / the white house

    Mit Alyssa Mastromonaco verabschiedet sich die Letzte aus Barack Obamas Team, als er noch nicht Präsident war. 

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