Krim-Streit pusht Schiefergas

10. März 2014, 19:06
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Die Krim-Krise lässt einmal mehr Rufe nach größerer Unabhängigkeit Europas im Energiebereich laut werden

Wien - Das Tauziehen zwischen Russland und der Ukraine um die Halbinsel Krim schürt Ängste vor einer Unterbrechung der Gaslieferungen und lässt Rufe nach größerer Unabhängigkeit Europas im Energiebereich laut werden. Dazu gehört die Forderung, in Polen, Frankreich, Deutschland und Rumänien vermutete Schiefergasreserven auszuloten. In Österreich werden substanziellere Vorkommen im Weinviertel vermutet.

"Man sollte die Ukraine-Krise zum Anlass nehmen, über den Tellerrand zu blicken", sagte Gerald Grohmann, Vorstandschef der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO), bei der Bilanzpräsentation am Montag. "Dazu gehört, dass man Probebohrungen zulässt und schaut, um welche Dimension es dabei wirklich geht."

Vor zwei Jahren sind Pläne der OMV publik geworden, bei Poysdorf (NÖ) nach Schiefergas zu bohren. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung legte der Öl- und Gaskonzern das Projekt auf Eis. Erst wenn ein umweltschonendes Verfahren gefunden sei, die Gasmoleküle aus den rund 1000 Meter tiefen Gesteinsschichten an die Oberfläche zu bringen (Fracking), sehe man weiter.

Zuletzt wurde auch die Variante ins Spiel gebracht, Schiefergas aus den USA nach Europa zu bringen und so die Abhängigkeit des Alten Kontinents von Lieferungen aus Russland zu senken. "Kurz bis mittelfristig ist das unmöglich", sagte Grohmann. Ohne Sondergenehmigung dürften in den USA keine Verflüssigungsterminals gebaut werden, weil Energie als strategisch wichtig empfunden werde. Und bis so ein Terminal fertig gebaut sei, vergingen in der Regel drei, vier oder gar fünf Jahre.

Minus bei Umsatz, Gewinn

Ob nun Schiefergas dereinst auch in Europa in größerem Stil gefördert wird oder im Wesentlichen doch auf die USA beschränkt bleibt: Der Ölfeldausrüster SBO profitiert in jedem Fall davon. Um die Förderrate in einem Schiefergasfeld hoch zu halten, sind nämlich deutlich mehr Bohrungen nötig als bei konventionellen Feldern. Als Weltmarktführer mit Marktanteilen jenseits der 50 Prozent kommt niemand der führenden Bohrfirmen an SBO vorbei.

Im Vorjahr hat das Unternehmen aus Ternitz (NÖ) bei einem um 10,5 Prozent auf 458,6 Mio. Euro gesunkenen Konzernumsatz ein Betriebsergebnis (Ebit) von 90,2 Mio. Euro erzielt - ein Minus von 25,6 Prozent. Grohmann zeigte sich mit dem zweitbesten Ergebnis der Unternehmensgeschichte dennoch zufrieden: "2012 war der Markt überhitzt, jetzt hat sich die Situation normalisiert." Als Dividende schüttet SBO unverändert 1,50 Euro je Aktie aus. (stro, DER STANDARD, 11.3.2014)

  • Gazprom liefert nach Europa - und hat damit einiges an Macht.
    foto: reuters/syniakov

    Gazprom liefert nach Europa - und hat damit einiges an Macht.

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