Mildes Klima machte Dschingis Khans Eroberungen möglich

10. März 2014, 22:19
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Regenreiche und milde Phase zwischen 1211 und 1225 dürfte mongolischen Reiterarmeen zugutegekommen sein, glauben Forscher

Washington/Wien - Es war bisher das einzige Mal in der Weltgeschichte, dass ein Mongole ein Weltreich errichtete. Vor rund 800 Jahren unterwarf der legendäre Dschingis Khan, der vermutlich von 1162 bis 1227 lebte, fast ganz Asien und drang bis Osteuropa vor: Im Jahr 1223 eroberte er auch weite Teile der Ukraine und besiegte dabei das russische Heer.

Warum aber war gerade dieser mongolische Khan so erfolgreich? Lag es an seiner Persönlichkeit oder doch an den Umständen? Einige Historiker gingen bisher davon aus, dass eine Dürre in der Mongolei die Reiterarmeen quasi zur Eroberung getrieben haben könnte. Doch ein interdisziplinäres Forscherteam um Neil Pederson von der Columbia Universität in New York kommt nun zu der genau entgegengesetzten Annahme.

Jahresringe als Klimachronik

Die Wissenschafter hatten für ihre Studie im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) die Jahresringe Sibirischer Zirbelkiefern in der Mongolei untersucht und dabei herausgefunden, dass es zwischen 1211 und 1225 eine besonders regenreiche und milde Phase gab. Das habe zu einer besonders üppigen Vegetation geführt, von der wiederum Pferde und Vieh - und somit letztlich die Reiterarmeen - profitiert hätten. "Vor den fossilen Brennstoffen waren Gras und Einfallsreichtum der Treibstoff der Mongolen und der Kulturen um sie herum", so Pederson.

Zudem berichten die Forscher, dass sich das Gebiet der Mongolei seit etwa 1950 stark erwärmt hat. Die Dürre von 2000 bis 2009 war eine der schwersten in mehr als 1000 Jahren und tötete Millionen von Tieren in Zentralasien. Dies wiederum zerstörte die Lebensgrundlage zahlloser Hirten. Viele sind deshalb in die Hauptstadt Ulan-Bator gezogen - ein Prozess, der aufgrund der Klimaprognosen wohl anhalten dürfte. (tasch, DER STANDARD, 11.3.2014)

  • Aufschlussreiche Zirbelkiefern: Anhand der Jahresringe schlossen die Forscher auf die Klimachronik.
    foto: kevin krajick/columbia university

    Aufschlussreiche Zirbelkiefern: Anhand der Jahresringe schlossen die Forscher auf die Klimachronik.

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