"Vater, Mutter, Kind - Da sind wir halt sensibel"

Interview10. März 2014, 17:33
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Seniorenbund-Chef Andreas Khol widerspricht seinem Parteifreund Rupprechter: Fremdkindadoption dient aus Sicht der ÖVP nicht dem Kindeswohl

STANDARD: Hat Ihnen gefallen, was Landwirtschaftsminister Rupprechter im STANDARD über Rechte für homosexuelle Paare gesagt hat?

Khol: Auch ich bin gegen Diskriminierung von Homosexuellen, wie die ganze ÖVP. Im Gespräch mit mir hat Rupprechter klargestellt, dass er mit der Parteilinie gegen Fremdkindadoption kein Problem hat. Ja, das hat mir gefallen.

STANDARD: Öffentlich blieb er meinungsstark - trotz scharfen Gegenwinds aus der Partei.

Khol: Andrä Rupprechter lehnt die Diskriminierung gleichgeschlechtlich Liebender ab, hat aber zur Fremdkindadoption nie explizit Stellung genommen.

STANDARD: Kann man das so auseinanderdividieren: zu behaupten, gegen Diskriminierung zu sein, aber ein Adoptionsrecht gehe nicht?

Khol: Ja, das kann man. Weil es ein Bundesverfassungsgesetz von 2011 gibt, das bis jetzt völlig missachtet wurde. Demnach hat jedes Kind das verfassungsgesetzlich gewährleistete Recht auf regelmäßige persönliche Beziehungen zu beiden Elternteilen. Bei allen Maßnahmen hat das Kindeswohl Vorrang. Und dieses Kindeswohl ist definiert. Daher ist völlig klar: Es handelt sich nicht um eine Diskriminierung von gleichgeschlechtlich Liebenden, sondern um eine Maßnahme zum Schutz des Kindeswohls.

STANDARD: Leibliche Eltern garantieren doch kein glückliches Leben.

Khol: Es gibt grauenhafte Fälle, wo Kinderrechte nicht respektiert werden, aber das sind eben Ausnahmefälle.

STANDARD: Möglich, dass Österreich wieder einmal nach einem Höchstgerichtsurteil die Rechtspraxis erneuern muss?

Khol: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Aber die Fremdkindadoption ist EU-weit eine Seltenheit.

STANDARD: Warum regt dieses Thema eigentlich in der ÖVP so auf?

Khol: Dass die ÖVP hier aufspringt, ist klar. Wir sind eine Familienpartei. Die Familie: Das sind in der Regel Vater, Mutter, Kind. Da sind wir halt besonders sensibel. Natürlich können auch andere Gemeinschaften familiären Charakter haben, wo sich Generationen umeinander kümmern.

STANDARD: Ihr privater Zugang?

Khol: Homosexuelle sind in keinster Weise anders zu behandeln. Ich habe da überhaupt keine Vorurteile mehr, das ist vorbei. (Karin Riss, DER STANDARD, 11.3.2014)

Andreas Khol (72) war 1983 bis 2006 Nationalratsabgeordneter, 2002 bis 2006 Nationalratspräsident. Seit 2005 ist er Obmann des ÖVP-Seniorenbunds. 

  • "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Aber die Fremdkindadoption ist EU-weit eine Seltenheit."
    foto: dpad/punz

    "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Aber die Fremdkindadoption ist EU-weit eine Seltenheit."

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