Die Angst des Siegers vor der Stichwahl

10. März 2014, 17:36
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Schaden gilt als Favorit für die Bürgermeisterstichwahl, entscheiden wird aber die Wahlbeteiligung. Den Wahlerfolg der Neos sieht Schaden positiv

Salzburg - Rund 33 Prozent, mit 15 Mandaten die mit Abstand stärkste Fraktion im Gemeinderat und 45,3 Prozent für den amtierenden Bürgermeister Heinz Schaden - eigentlich könnten die Sozialdemokraten mit dem Wahlsonntag in der Stadt Salzburg recht zufrieden sein. Aus Sicht der SPÖ gibt es einen Schönheitsfehler: Schaden verfehlte im ersten Wahlgang die 50-Prozent-Marke und muss wie schon 2009 gegen ÖVP-Vizebürgermeister Harald Preuner in die Stichwahl. Insgesamt sind im Land Salzburg in acht Gemeinden Stichwahlen notwendig.

Das Rennen in der Stadt verlief 2009 knapper, als es das Wahlergebnis im ersten Durchgang vermuten ließ: Schaden konnte sich mit nur 53,7 Prozent durchsetzen. Die geringe Wahlbeteiligung (39 Prozent) und das Gefühl vieler, dass er den Sieg schon in der Tasche habe, seien die Ursache gewesen, analysiert Schaden im STANDARD-Gespräch den Wahlgang von einst. Für die Stichwahl am 23. März plagen ihn nun wieder ähnliche Sorgen, auch wenn er heuer Preuner (19,5 Prozent) deutlicher hinter sich gelassen hatte als 2009.

Grundsätzlich sei Schadens Sorge berechtigt, bestätigt der Salzburger Politikwissenschafter Reinhard Heinisch. Universitätsprofessor Heinisch spricht von einem "Paradox". Salzburg sei eigentlich "keine rote Stadt", habe aber fast durchgehend SPÖ-Bürgermeister gehabt. Bei der Stichwahl würden aber viele aus dem "zersplitterten bürgerlichen Lager" den bürgerlichen Kandidaten wählen. Neben VP, Neos und der Protestliste "Salz" rechnet Heinisch auch große Teile der Stadt-Grünen zu den bürgerlichen Wählern. "Das sind dann mindestens so viele Mandate wie die SPÖ."

Debatte in der ÖVP

Im Konkreten geht Heinisch aber von einem Sieg Schadens aus. Preuner sei nach dem Absturz der ÖVP (minus 8,4 Prozentpunkte) "beschädigt". Ihm hafte ein Verliererimage an. Nach der Stichwahl werde es in der Stadt-VP zu einer Führungsdebatte kommen, prognostiziert er. Dass Schaden selbst auch mit einem Wahlsieg rechnet, lässt sich an seinen Zukunftsplänen ablesen. Er wolle das Finanz- und das Kulturressort weiterführen. Für die SPÖ sei das Sozialressort "ein Herzensanliegen", sagt er.

Dass die Neos den Sprung in die Stadtregierung geschafft haben, freut den Langzeitbürgermeister. Er erwarte sich in Kulturfragen ein liberaleres Klima und in der Finanzpolitik eine bessere Kooperation als mit der ÖVP. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 11.3.2014)

  • Salzburger Wahlgewinner: Barbara Unterkofler (Neos) und Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ).
    foto: apa/gindl

    Salzburger Wahlgewinner: Barbara Unterkofler (Neos) und Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ).

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