Brüderchen, komm, stirb mit mir

10. März 2014, 18:04
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Irmgard Lübke hat Klaus Manns "Geschwister" am Landestheater Niederösterreich inszeniert

Eine Anziehung, die über gewöhnliche Geschwisterliebe hinausgeht, thematisierte Klaus Mann in einem Drama, das er 1930 in den Münchner Kammerspielen uraufführte. Nun inszenierte Irmgard Lübke - Mitbegründerin des Salzburger Metropolis Theaters - "Geschwister" nach der gleichnamigen Vorlage des Schriftstellers am Landestheater Niederösterreich. Auf spärlich eingerichteter Bühne wird die Geschichte um die Waisen Paul und Elisabeth in der Theaterwerkstatt des Hauses erzählt. Viel mehr als ein Bett und Sitzgelegenheiten bedarf es auch nicht, um die kindlichen Eigenarten und Riten der beiden Erwachsenen einzubetten. Von der in ihren Augen nicht existenten "anderen Welt" abgekapselt, pflegen sie in ihrem Pariser Zimmer lediglich Kontakt zur Magd Marietta und den Freunden Agathe und Gérard. Nichts entzweit diese Eigenbrötler: Sei es die Hochzeit Elisabeths, deren Mann kurz danach auf seltsame Weise ums Leben kommt, oder die Sehnsucht Pauls nach Agathe. Stets weiß sich die intrigante Schwester in ihrer Eifersucht zu helfen und greift zu drastischen Mitteln.

Mit zarter Bedrohlichkeit untermalen Klavierstücke von Komponist Erik Satie die tragische Situation der Geschwister. Letztlich schaffen sie ihren ganz eigenen Absprung: Auf einer Schaukel sitzend und gewillt, sich endlich berühren zu dürfen, bereiten sie ihrem Leben ein Ende. "Bravo", ließen auch die Zuschauer während des anschließen Beifalls verlauten. (gret, DER STANDARD, 11.3.2014)

Nächste Termine: 12., 14., 15., 20. und 25. März. 19.30

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