Pfarrer von St. Georgen im Attergau untergetaucht

10. März 2014, 14:39
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Geistlicher war wegen zu lockeren Umgangs mit Zölibat in Kritik geraten

Linz – Die kleine Gemeinde  St. Georgen im oberösterreichischen Attergau hat keinen Pfarrer mehr. Der Grund dafür liegt aber nicht im beschleunigten "Priesterschwund" der letzten Jahren. Vielmehr hat sich Hochwürden vergangenen Freitag aus persönlichen Gründen klammheimlich aus dem örtlichen Pfarrhaus verdrückt.

Am vergangenen Freitag trug Pfarrprovisor Johann Teufl noch ein Gemeindemitglied zu Grabe, zelebrierte die Messe – um dann ins Auto zu steigen und spurlos zu verschwinden. Nur das Handy des 54-jährigen Geistlichen blieb in der Sakristei zurück. Am vergangegen Samstag schlug dann ausgerechnet die Lebensgefährtin Alarm und erstattete Vermisstenanzeige.

Mobbing

Dem Vernehmen nach dürften nicht alle Gemeinde-Mitglieder den "lockeren" Umgang Teufls mit dem Zölibat goutiert haben. Von massiven verbalen Angriffen und  Mobbing ist die Rede. Unmittelbar vor seinem Verschwinden wandte sich der Geistliche noch mit einem Schreiben an den Linzer Bischof Ludwig Schwarz und den Pfarrgemeinderat: Er nehme einen unbefristeten und unbezahlten Urlaub, um "mit therapeutischer Begleitung ernsthaft eine Entscheidung für sein Priestersein zu finden". 

Orden will Klarheit

Doch auch aus den eigenen Reihen kam Druck: Teufl ist Mitglied des Franziskanerordens, er hat aber  bereits vor drei Jahren um Beurlaubung als Ordensmann ersucht. Da der Franziskanerorden nun aber eine sofortige definitive Entscheidung hinsichtlich seiner Zugehörigkeit zum Orden erwartet und damit ein Wechsel als Weltpriester in die Diözese Linz ansteht, stellt sich für Pfarrer Teufl nun offensichtlich auch eine Entscheidung hinsichtlich seiner Lebensform. (Markus Rohrhofer, derStandard.at, 10.3.2014)

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