Weil das Skifahren Familiensache ist

9. März 2014, 23:51
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Markus Salcher holte bei den Paralympics in Sotschi zwei Goldmedaillen

Es sind zwar nur zwei Zeilen, die da auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite über Markus Salcher zu lesen sind, aber um zwei Zeilen mehr als auf der deutschsprachigen Website der Online-Enzyklopädie, wo man Sonntagnachmittag vergeblich nach einem Artikel über Salcher sucht.

Seit Sonntag ist Salcher zweifacher Paralympics-Sieger. "Mein Ziel war, eine Medaille zu holen, jetzt habe ich zwei goldene", sagte der 22-jährige Kärntner. In Sotschi gewann er sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G in der Kategorie der Stehendfahrer. Im Super-G vor Matthias Lanzinger. Salcher ist zuletzt meist schneller als Lanzinger. Die größere Medienpräsenz erhält dennoch der 33-jährige Salzburger, dem vor sechs Jahren nach einem Sturz beim Weltcup-Super-G in Kvitfjell der Unterschenkel amputiert wurde.

Salcher ist von Geburt an halbseitig gelähmt. "Ich kenne daher das andere Leben nicht, und ich kann sagen, es lebt sich ganz gut mit der Behinderung", sagt Salcher. 18-jährig gab er 2010 in Vancouver sein Paralympics-Debüt. Seine ersten Medaillen holte er 2013 bei der WM in La Molina: Gold in Abfahrt, Super-G und Super-Kombination. Behindertensportler des Jahres wurde aber Lanzinger, in La Molina ebenfalls Weltmeister. Den Sieg im Gesamtweltcup verpasste Salcher heuer nur knapp. Dafür gewann er die Spezialwertungen für Abfahrt und Riesentorlauf. Letzterer steht in Sotschi für ihn am Samstag auch noch auf dem Programm.

"Nicht ob, sondern wie"

Zum ersten Mal auf Skiern stand Salcher im Alter von zweieinhalb Jahren am Nassfeld, wo seine Großeltern leben. Er stammt aus einer Skifahrer-Familie, sein Vater ist Trainer des örtlichen Skiklubs. 2006 betreute er das österreichische Paralympics-Team in Turin. "Es stellte sich nie die Frage, ob ich Ski fahre, sondern wie ich Ski fahre." Zunächst nahm er an Nichtbehinderten-Rennen teil, ehe er 2004 vom damaligen Cheftrainer der Behindertensportler entdeckt wurde.

Salcher studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft in Klagenfurt. Davor maturierte er am Oberstufenrealgymnasium für Leistungssport. Viel Überzeugungskraft sei nötig gewesen, um die Schule überhaupt besuchen zu dürfen. Denn die sportliche Aufnahmeprüfung sei hart und für Menschen mit Behinderung eigentlich nicht zu schaffen. Mit 22 Jahren hat Salcher nun fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Fehlt nur noch ein Eintrag auf Wikipedia. (Birgit Riezinger, 10.03.2014)

  • Markus Salcher (22), Paralympics-Sieger.
    foto: apa/epa/donev

    Markus Salcher (22), Paralympics-Sieger.

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