Wie "Erbprinz Aki" den Barockbau retten will

9. März 2014, 17:12
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Kasinobetreiber als Investoren für das Wiener Kulturdenkmal Palais Schwarzenberg

Wien- Ein Kasino in einem der prachtvollsten Wiener Barockpalais? One-armed bandits unter den Deckenfresken? Eines der geschichtsträchtigsten Geschlechter Österreichs als Maître de Plaisir? Bei diesem Gedanken schaudert wohl nicht nur Vertretern der Hocharistokratie. Aber noble alte Erbimmobilien müssen erhalten werden, und beim Palais Schwarzenberg in Wien ist es höchste Zeit. Außerdem hat der Gedanke, bei Zuteilung der Kasinolizenz den Großteil des innerstädtischen Palaisparks für das Volk zu öffnen, ja etwas von einer Demokratisierung an sich.

Johannes "Aki" Schwarzenberg, 47, hat schon vor einigen Jahren vom Papa Karl Schwarzenberg, Ex-Außenminister von Tschechien, einen Großteil der österreichischen Besitztümer zum Management übergeben bekommen. Dazu gehören neben großem Waldbesitz und dem Renaissanceschloss Murau in der Steiermark eben das Wiener Palais. "Erbprinz" Schwarzenberg: "Ich glaube, dass es eine sehr gute Lösung wäre, den Park großteils zu öffnen, weil es eine zusätzliche Erholungsfläche in einer verkehrsreichen Gegend wäre, die noch dazu durch den neuen Hauptbahnhof weiter belebt wird. Ich war auch schon beim Bürgermeister und habe ihm dieses Projekt unterbreitet."

Das keilförmige Parkgrundstück mit dichtem Baumbestand liegt zwischen Belvedere und Prinz-Eugen-Straße. Einige bevorzugte Personen hatten Schlüssel zu der Anlage, bis vor etlichen Jahren wurden Tennisplätze und ein Restaurant ("Belvedere-Stöckl") bespielt. Der geöffnete Park wäre eine echte Attraktion für das Stadtleben, der entscheidende Punkt ist aber das Junktim mit der Kasinolizenz. Denn es müssen dringend Einnahmen her, um den weiteren Verfall des Palais - eines der wichtigsten Kulturbauten Wiens - zu stoppen und den Erhalt auf Dauer zu finanzieren. Das Anfang des 18. Jahrhunderts von den Barockmeistern Johann und Joseph Fischer von Erlach und Lukas von Hildebrandt erbaute Palais wurde lange Zeit als Nobelhotel geführt. In den 1980er-Jahren nahm Architekt Hermann Czech Adaptionen vor.

Wegen der geringen Zimmeranzahl wurde das Hotel unrentabel. Als dann "Aki" übernahm, gab es ehrgeizige Ausbaupläne. Ein "Sechssternehotel" plus Nobelresidenzen sollte entstehen - Financier und Betreiber der saudisch-österreichische Scheich Mohammad Al Jaber. Leider hielt dieser (wie auch bei anderen Projekten) seine Zusagen nicht ein, der Ausbau unterblieb, seit 2007 bröckelt das Palais vor sich hin.

Konzept und Investoren gesucht

Die Immobilie braucht dringend a) ein Konzept und b) Investoren. Letztere wären mit den Kasinobetreibern gefunden. Sie würden auch die Renovierung und Adaptierung des Palais finanzieren. Für die Rettung des Kulturdenkmals wäre die Verwendung als Kasino wahrscheinlich ein akzeptabler Preis.

Die Familie Schwarzenberg hat die Geschichte Österreichs wesentlich mitbestimmt. Fürst Karl Philipp Schwarzenberg war Oberkommandierender der österreichischen, russischen und schwedischen Truppen in der dreitägigen Völkerschlacht von Leipzig 1813 und fügte Napoleon eine vernichtende Niederlage zu, die ihn zur Abdankung zwang. Felix Schwarzenberg war österreichischer Ministerpräsident von 1848 bis 1852. Er beteiligte sich an der Niederschlagung der Revolution von 1848, begann dann aber mit der Modernisierung der Monarchie.

Karl Schwarzenberg, 76, unterstützte von Österreich aus die Demokratisierungsbewegungen im kommunistischen Osteuropa, besonders in der Tschechoslowakei. 1991 wurde er Kanzler seines Freundes Václav Havel - des letzten Präsidenten der Tschechoslowakei und des ersten der Republik Tschechien - und erhielt einen kleinen Teil der sehr großen von den Kommunisten enteigneten Besitztümer der Familie in Böhmen zurück. Mit seiner liberalkonservativen Partei Top09 erreichte er einen Überraschungserfolg und wurde 2010 Außenminister Tschechiens. 2012 verlor er die Präsidentschaftswahl gegen Milos Zeman. Das Wiener Palais ist jedenfalls ein kulturpolitischer Problemfall, der rasch gelöst werden muss. (rau, DER STANDARD, 10.3.2014)

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