Parteinachwuchs: Bravheit als Maxime

Kommentar7. März 2014, 20:02
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Wer dagegen brav und angepasst ist, bringt es zu etwas in der Partei

Es ist nicht nur in der SPÖ so, dort aber besonders deutlich ausgeprägt: Die Kritikfähigkeit der Parteispitze ist völlig unterbelichtet. In der SPÖ kommen die braven und die angepassten Funktionäre nach oben, die lauten und aufsässigen werden rechtzeitig aussortiert.

Exemplarisch war der Auftritt der Jungfunktionärin Julia Herr (21) beim Parteirat vor zwei Wochen: Nachdem diese sich nicht inhaltlich an die Jubelvorgabe gehalten hatte, wurde sie von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (52) von der Bühne komplimentiert. Herr verabschiedete sich mit einem leicht verunsicherten "Freundschaft".

Wer dagegen brav und angepasst ist, den Chefs und Chefinnen nach dem Mund redet, der bringt es zu etwas in der Partei: Laura Rudas (32), die sich gerade wieder aus der Politik verabschiedet, war ein Beispiel, Katharina Kucharowits (30), immerhin Parteivizechefin, ist ein anderes. Sie darf Kanzler Werner Faymann (53) dann im Parlament fragen, warum er eigentlich so toll ist - und tut damit weder ihrer Generation noch dem Frauenbild, das sie dabei vermittelt, einen Gefallen. Daniela Holzinger (26), die sich als einzige SPÖ-Abgeordnete traute, im Parlament für einen Hypo-Ausschuss zu stimmen, wurde hingegen gemaßregelt und als "naiv" hingestellt. So produziert man in der Gesellschaft unkritische Jasager. Aber immerhin: In der SPÖ gibt es noch diese Ausreißer, für die man streiten mag. In der ÖVP hat längst die absolute Bravheit obsiegt. (Michael Völker, DER STANDARD, 8.3.2014)

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