Der Erfinder des World Wide Web: Tim Berners-Lee

Kopf des Tages7. März 2014, 18:13
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Reich wurde er nicht mit seiner Idee, aber geadelt

Den Anstoß für das World Wide Web lieferte ein Gespräch mit seinem Vater, als Tim Berners-Lee noch ein Schüler war: Dieser war Mathematiker und brütete gerade über das Thema, ob Rechnern Intuition beigebracht werden könne. Dazu müsste man Informationen miteinander verknüpfen, rief sein Vater wiederholt aus.

Mit Computern ist der 1955 geborene Londoner aufgewachsen. Seine Eltern Conway und Mary arbeiteten in den 1950er-Jahren an Englands erstem kommerziellem Computer. Der Satz seines Vaters ging ihm nicht aus dem Kopf, als er Physik am Queen's College der Universität Oxford studierte und seine ersten Schritte im Beruf, unter anderem am Kernforschungszentrum Cern, unternahm.

Informationen miteinander zu verknüpfen wurde zu seiner Passion: 1980 schrieb der Softwareentwickler das Programm Enquire, das Daten von Karteien verknüpfte und diese abrufbar machte. Das war die "Keimzelle der Idee des World Wide Web", meinte Tim Berners-Lee später.

Kein Patent

Geld hat der verheiratete Familienvater mit seiner Erfindung nie verdient. Ein Patent habe er bewusst nie angelegt, sonst hätte sich das Netz nicht so rasant entwickeln können, so seine schlichte Erklärung.

Idealist des Internets

Der stets schwarz gekleidete Brite fühlt sich sichtlich unwohl, wenn er wie jedes Jahr beim Weltwirtschaftsforum in Davos als "Vater des Internets" von Podium zu Podium gereicht wird. Dort kämpft er engagiert für das World Wide Web als offenes System und wirkt dabei wie ein Idealist inmitten der Internet-Milliardäre, denen es vor allem um die nächste beste Geschäftsidee geht. Auch Partys meidet der inzwischen in den USA lebende Familienvater und sagt von sich, er brauche Zeit zur Erholung in der Natur, wo er am besten über "Entwicklungskram" brüten könne.

Er lehrt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und ist Vorsitzender des sogenannten World-Wide-Web-Konsortiums. Dort wacht er mit seinen Mitarbeitern darüber, dass die technologischen Standards für das Netz vereinheitlicht werden. Angebote von Konzernen, die sich einmischen wollen, lehnt er konsequent ab.

2004 wurde Berners-Lee von der Queen zum Ritter geschlagen. Auf die Frage, wie es sei, stets damit konfrontiert zu werden, etwas Historisches vollbracht zu haben, antwortet Berners-Lee: "So müssen sich Kronprinzen fühlen, die ihr ganzes Leben lang hören, dass sie etwas Besonderes sind." (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 8.3.2014)

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