Bürgschaft und Scheidung treiben Frauen oft in Schuldenfalle

10. März 2014, 10:05
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Schuldnerberatung: Frauen im Schnitt mit 61.000 Euro in der Kreide, jede zweite hat aber weniger als 1.000 Euro im Monat

Wien - Der Verlust des Jobs treibt Menschen weitaus am häufigsten in die Schuldenfalle. Auch der falsche Umgang mit Geld spielt oft eine Rolle, bei Männern und Frauen gleichermaßen. Bei anderen Überschuldungsgründen gibt es allerdings signifikante Geschlechtsunterschiede: Trennungen und Bürgschaften machen Frauen deutlich mehr zu schaffen.

Bei 14 Prozent der Frauen, die in die Finanzmisere gerieten, war die Trennung oder Scheidung vom Partner ein Grund, aber nur bei 10 Prozent der Männer, zeigt eine am Freitag veröffentlichte Erhebung der Dachorganisation der österreichischen Schuldnerberatungen (asb). "Meist obliegen Obsorge und Betreuung der Kinder den Frauen bei zusätzlich schlecht bezahlten Teilzeitjobs", so asb-Geschäftsführer Hans Grohs in einer Aussendung.

Keine Bürgschaften ohne Einkommen

Noch größer war der Geschlechterunterschied bei Bürgschaften. Bei Männern spielten diese nur selten eine Rolle (3 Prozent). Frauen bricht es viel öfter das finanzielle Genick, wenn sie sich bereiterklärt haben, bei Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers - oft des Partners - einzuspringen (12 Prozent). "Kommt es zur Trennung, passiert es, dass die Frau für den ehemaligen Partner geradestehen muss - auch dann, wenn die übernommene Haftung schon bei Kreditaufnahme die finanzielle Lage der Frau weitaus überstiegen hat", gibt Grohs zu bedenken. Er kritisiert die Banken für ihre Praxis. Ohne Einkommen sollten Menschen keine Bürgschaften eingehen dürfen, weiters fordern die Schuldnerberatungen ein Rücktrittsrecht von Bürgschaften und Krediten.

Schlechte Ausbildung

Die finanzielle Lage jener Frauen, die sich an die Schuldnerberatungen wenden, ist äußerst prekär. 47 Prozent der Klientinnen haben weniger als 1.000 Euro im Monat zur Verfügung, 31 Prozent nicht mehr als das Existenzminimum von 838 Euro (Männer: 28 Prozent).

Ein Grund für das geringe Einkommen der Frauen ist die schlechte Ausbildung. 45,1 Prozent der weiblichen Klientinnen haben nur einen Pflichtschulabschluss, bei den Männern sind es 35,9 Prozent. Frauen stehen im Schnitt mit 61.070 Euro in der Kreide, Männer mit 77.212 Euro.

Da verschuldete Frauen weniger Geld zur Verfügung haben und daher ihren Gläubigern eine geringere Quote bieten, können ihre Konkursanträge scheitern. Im Vorjahr entfielen 38 Prozent der eröffneten Privatkonkurse auf Frauen. (APA, 7.3.2014)

  • Die finanzielle Lage jener Frauen, die sich an die Schuldnerberatungen wenden, ist äußerst prekär.
    foto: apa/angelika warmuth

    Die finanzielle Lage jener Frauen, die sich an die Schuldnerberatungen wenden, ist äußerst prekär.

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