Österreichische Banken fürchten um ihre Geldmaschine

7. März 2014, 17:39
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Weil das Geschäft in Osteuropa lahmte, setzten Raiffeisen und Bank Austria auf volle Expansion in Russland. Das könnte sich rächen

Wien - Für die österreichischen Banken könnte die Situation kaum unangenehmer sein: Gerade als die schlimmsten Turbulenzen in Osteuropa zu Ende schienen, bricht schon die nächste Krise aus. Neben dem Chaos in der Ukraine ist plötzlich auch das Russlandgeschäft gefährdet, weil völlig unklar ist, wie sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Russland weiterentwickeln. Die Unsicherheiten betreffen auch den Bankensektor, und dort ist Österreich im Europavergleich besonders verwundbar.

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben europäische Kreditinstitute gegenüber Banken, Unternehmen und Privatkunden in Russland und der Ukraine Forderungen in Höhe von 153 Milliarden Euro. Von diesem Kredit-Exposure entfällt beinahe ein Fünftel auf die heimischen Institute Raiffeisen Bank International (RBI) und Bank Austria. Die RBI hat in der Ukraine und in Russland Kredite im Wert von 13,8 Milliarden Euro vergeben, bei der Bank Austria ist es sogar etwas mehr (siehe Grafik).

Beide Institute haben in den vergangenen Jahren Russland als Hoffnungsmarkt entdeckt und auf Expansion geschaltet. Das Engagement hat sich bisher ausgezahlt: Die RBI etwa erwirtschaftet den größten Teil ihres Profits in Russland und konnte den Gewinn 2012 um 47 Prozent steigern, die Bank Austria um elf Prozent.

Doch das Wachstum macht auch abhängig, wobei die Risiken bei der RBI deutlich konzentrierter sind. Laut einer von der Konkurrenz verschickten Analyse (Royal Bank of Scotland) macht das Kreditgeschäft in Russland und der Ukraine rund 15 Prozent des Kreditportfolios bei der RBI aus. Dieser Anteil ist nur bei der ungarischen OTP höher (siehe Grafik).

Konkrete Gefahren

Was sind nun die konkreten Gefahren? Das wohl am schnellsten spürbare Problem dürfte ein Anstieg der faulen Kredite sein. Der russische Rubel hat in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Neben der zunehmenden Skepsis von Investoren gegenüber Schwellenländern hat die Angst vor einer Zuspitzung des Krim-Konflikts die Tendenz beschleunigt. Gegenüber dem Euro gab der Rubel seit Jahresbeginn um 20, gegenüber dem US-Dollar um elf Prozent nach.

Der Wertverlust trifft Fremdwährungsschuldner in Russland direkt - fast jeder Dritte ist in Devisen verschuldet -, weil sich ihre Monatsraten verteuern.

Auch die ukrainische Hrywnja hat in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. In der Ukraine ist die Zahl der Devisendarlehen und der faulen Kredite zudem schon bisher deutlich höher als in Russland. Bei der RBI-Ukraine-Tochter Aval ist fast jeder dritte Schuldner mit mehr als 90 Tagen in Verzug.

Eine zweite Gefahr liegt in Firmenwertabschreibungen. In der Ukraine ist das Risiko zwar null - den Firmenwert der Tochterbanken haben RBI und Bank Austria bereits voll abgeschrieben. In Russland dagegen wurden solche Korrekturen bisher nicht vorgenommen.

Bei der RBI und der Bank Austria hüllt man sich zu Turbulenzen derzeit in Schweigen. Man könne nicht abschätzen, wie sich die Lage weiterentwickelt. Eine spürbare Entspannung ist tatsächlich ebenso möglich wie eine Eskalation. Bei der Bank Austria ist davon die Rede, dass sich an der Einschätzung Russlands als potenzieller Wachstumsmarkt vorerst nichts geändert habe. (András Szigetvari, DER STANDARD, 8.3.2014)

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