Obama tut sich schwer mit dem Ex-KGB-Offizier

Analyse8. März 2014, 10:00
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In Medwedew hoffte Obama, einen Partner für die Weltpolitik gefunden zu haben, doch seit Putin zurück im Amt ist, ist diese Zuversicht verschwunden

Anfang Februar 2009, zwei Wochen nach seinem Einzug ins Weiße Haus, schrieb Barack Obama seinem russischen Kollegen einen optimistischen Brief. Sie beide seien doch eher junge Präsidenten; ihre Weltsicht unterscheide sich von der Denkweise jener, die im Kalten Krieg politisch volljährig wurden. Dies müsste Chancen bieten. Der Adressat hieß Dmitri Medwedew, nicht Wladimir Putin. Geprägt war die Offensive des Charmes von der Vorstellung, unbelastetes Personal würde es leichter haben, ein schwieriges Verhältnis zu ordnen.

Bob Gates, vormaliger Verteidigungsminister, hat das Kapitel in seinen kürzlich erschienenen Memoiren kursorisch geschildert und selbstironisch angemerkt, er frage sich, wen Obama mit den "alten Schablonen" gemeint haben könnte.

Der damalige Chef des Pentagons, Außenministerin Hillary Clinton, Sicherheitsberater James Jones: Sie alle wurden politisch erwachsen, als die Blockkonfrontation das Denken amerikanischer Strategen bestimmte. Obama dagegen war 1985, als Michail Gorbatschow die Perestroika einläutete, gerade von New York nach Chicago umgezogen, um als Sozialarbeiter einen Einstieg ins Berufsleben zu finden. Sein Blick auf Russland gleicht dem eines Managers: emotionsfrei, nicht verstellt durch den Ballast der Vergangenheit und strikt an nationalen Interessen orientiert.

Von Anfang an waren es drei Punkte, bei denen Obama auf Kooperation hoffte. Erstens sollte der Kreml helfen, das Atomprogramm des Iran einzudämmen, vor allem, indem er im UN-Sicherheitsrat keine Sanktionen blockierte. Zweitens wollte der Amerikaner die nukleare Abrüstung, idealerweise die Verschrottung sämtlicher Kernwaffen, wie er sie im euphorischen Aufbruch in Prag skizzierte, zu seinem Markenzeichen machen. Die Atom-Supermacht Russland war dabei logischerweise der wichtigste Partner. Drittens plante der Präsident, der im Wahlkampf von "rechten" Kriegen (Afghanistan) und "falschen" (Irak) gesprochen hatte, eine vorübergehende Aufstockung des US-Kontingents am Hindukusch. Dafür brauchte er die Nachschubwege Zentralasiens, verbunden mit grünem Licht aus Moskau.

"Gelangweiltes Kid"

Seit Putin an die Staatsspitze zurückkehrte, hat Obama nie ein Hehl gemacht aus dem Graben, der ihn persönlich von dem früheren KGB-Offizier trennt, einem Mann, der eben auch in Zeiten des Ost-West-Konflikts erwachsen wurde. Einmal verglich er Putin mit "diesem gelangweilten Kid in der Ecke des Klassenzimmers", das demonstrativ desinteressiert auf seinem Stuhl lümmle.

Die Charakterstudie war umso bemerkenswerter, weil Obama in der Öffentlichkeit sonst nur ausgesprochen zurückhaltende Kommentare über ausländische Politiker abgibt. Putins Russland ist nicht mehr der konstruktive Partner, den er sich einst erhoffte. Sondern eher ein Land, mit dem man irgendwie auskommen muss.

Für den Poker mit Teheran bleibt eine Zusammenarbeit ohne Alternative. In Sachen atomarer Abrüstung erzielte das Weiße Haus 2010 mit dem neuen Start-Vertrag einen Erfolg, dem so bald kein weiterer Meilenstein folgen dürfte. Der bevorstehende Abzug der GIs aus Afghanistan wird die strategische Bedeutung Russlands für US-Interessen eher verringern. Und dass Syrien zu handfesten Ergebnissen führt, bezweifeln momentan fast alle Experten. Kaum wer rechnet damit, dass Putin Bashar al-Assad zu einem Kompromiss mit den Rebellen bewegt. Eher geht es darum, dass das Verhältnis zu Moskau nicht zum dauernden Brandherd wird.

Schon das scheint schwer genug, weshalb "elder statesmen" zur Nachdenklichkeit raten - auf beiden Seiten. Putin sollte begreifen, dass militärisches Diktat nur einen neuen kalten Krieg produziert, schreibt Henry Kissinger in der Washington Post. Die USA müssten vermeiden, Russland zu behandeln wie einen Rabauken, dem man Benehmen einzutrichtern habe. Von überzogenen Erwartungen rät der 90-Jährige ab: Verständnis für US-Werte sei nicht Putins Stärke, ebenso wenig, wie es die Stärke amerikanischer Politiker sei, russische Geschichte und Psychologie zu verstehen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 8.3.2014)

  • Einträchtig stehen Obama und Putin höchstens als Matrioschka-Puppen wie in dieser Auslage in St.Petersburg nebeneinander.
    foto: ap/lovetsky

    Einträchtig stehen Obama und Putin höchstens als Matrioschka-Puppen wie in dieser Auslage in St.Petersburg nebeneinander.

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