Für 73 Prozent brachte Netz mehr Überwachung

7. März 2014, 18:11
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Jeder Vierte ist mehr als vier Stunden täglich im Netz - Überwachung wird billigend in Kauf genommen

War die Welt eigentlich besser, als es das Internet noch nicht gegeben hat? Das meint nur eine kleine Minderheit von zwölf Prozent der Österreicher - wobei es kaum unterschiedliche Einschätzungen in den verschiedenen Altersgruppen gibt. Wohl aber äußern sich Wähler der Freiheitlichen und politisch nicht deklarierte Österreicher deutlich negativer über das WWW, als das die Anhänger anderer Parteien tun.

Das geht aus einer aktuellen STANDARD-Umfrage des Market-Instituts hervor. Rund 400 Wahlberechtigte wurden nach ihren Haltungen zum Internet und zu Sicherheitsbedrohungen befragt. Studienleiter David Pfarrhofer sind vor allem die an den Parteipräferenzen festzumachenden Unterschiede in den Einstellungen aufgefallen.

30 Stunden pro Woche

Grunderkenntnis: 25 Prozent der Befragten sagen von sich, dass sie mehr als 30 Stunden pro Woche (also rund vier Stunden am Tag) online sind, weitere 16 Prozent sind zwischen 20 und 30 Stunden online - nur elf Prozent bekennen sich als Internetmuffel, die so gut wie gar nicht im Netz sind, und weitere 17 Prozent geben an, maximal zehn Stunden pro Woche online zu sein.

Jene, die 20 und mehr Stunden im Internet verbringen, haben eine entspanntere Haltung zu Sicherheitsfragen: 47 Prozent der starken Nutzer meinen, dass das Internet Kriminalität fördere, in der Gesamtbevölkerung denken das 57 Prozent. Ähnlich ist es bei der Einschätzung, dass das Internet den Terrorismus begünstige. Allerdings sagen die häufigen Internetnutzer auch in geringerem Ausmaß als andere, dass sie persönliche Informationen, die sie offline nicht teilen würden, ins Netz stellen.

Die Heavy User sehen auch häufiger politische Vorteile - und lehnen umgekehrt ganz deutlich die Einschätzung ab, dass hoher Internetkonsum den Bezug zur realen Welt verlieren lasse.

Einen breiten Bereich der Umfrage nimmt die Frage von Sicherheit und Überwachung ein. Grundsätzlich hat sich die Einschätzung der Kriminalität in Österreich seit einer Vergleichsumfrage 2006 leicht verändert: Zwar sagen nur vier Prozent (2006: drei Prozent), dass Österreich gar nicht sicher sei, und 15 (zuletzt: 16) Prozent halten es für wenig sicher - aber der Anteil derer, die Österreich für "sehr sicher" halten, ist von 31 auf 20 Prozent gesunken. Weitere 61 (50) Prozent halten Österreich immerhin für "eher sicher". Wobei die stärksten Abweichungen bei den Wählern der FPÖ auftreten.

Akzeptierte Überwachung

Ebenfalls interessant: Beinahe drei Viertel der österreichischen Wahlberechtigten gehen davon aus, dass das Internet mehr Überwachung der Bürger bewirkt hat. Pfarrhofer: "Es kommt natürlich darauf an, wer zu welchem Zweck beobachtet, mitliest und überwacht. Die Bekämpfung von Kinderpornos ist ein allseits akzeptiertes Argument, nur jeder Fünfte meint, dass das bloß ein Vorwand für andere Überwachung sein könnte."

Für die Sicherheit sind die Österreicher bereit, viel aufzugeben: Überwachungskameras in U-Bahnen, Bussen und Zügen erscheinen 91 Prozent der Befragten "berechtigt und akzeptabel" - das ist eine fast so hohe Akzeptanz wie die des Streifenpolizisten (94 Prozent).

Handyortung ist für 60 Prozent akzeptabel, 33 Prozent fänden nichts dabei, wenn soziale Netzwerke wie Facebook überwacht würden, 30 Prozent finden eine Überwachung von Postings und Meinungsäußerungen im Internet und 20 Prozent ein Monitoring der Einkäufe für okay.

Die Akzeptanz von Überwachungsmaßnahmen hängt davon ab, zu welchem Zweck überwacht wird - und von wem. Die Verfolgung von Kinderpornos öffnet alle Schleusen - da sind 94 Prozent für Überwachung, mehr noch als bei der Suche nach Mordverdächtigen. 76 Prozent meinen, Überwachungsmaßnahmen zur Identifizierung möglicher politischer Extremisten wären in Ordnung, 71 Prozent finden Überwachung bei der Jagd nach Steuersündern akzeptabel, und immerhin 69 Prozent sehen die Suche nach illegalen Einwanderern als eine berechtigte Begründung zur Überwachung. Nur sechs Prozent der Männer (aber 21 Prozent der Frauen) würden den Nachweis von Ehebruch und sexueller Untreue überwachen lassen.

Als vertrauenswürdig im Sinne der Wahrung des Persönlichkeitsschutzes gilt am ehesten die österreichische Polizei (80 Prozent) - am wenigsten private Sicherheitsdienste (23 Prozent), CIA und NSA (15 Prozent). (Conrad Seidl, DER STANDARD, 8./9.3.2014)

  • Ein Österreich-Bild aus Tausenden von Bildern - dunkle Abgründe inklusive: Für das Bildermosaik "This is Austria" hat der in Wien und in der Steiermark arbeitende Medienkünstler Julian Palacz mehr als 3000 Kader aus österreichischen Filmen zusammengesetzt.
    foto: palacz

    Ein Österreich-Bild aus Tausenden von Bildern - dunkle Abgründe inklusive: Für das Bildermosaik "This is Austria" hat der in Wien und in der Steiermark arbeitende Medienkünstler Julian Palacz mehr als 3000 Kader aus österreichischen Filmen zusammengesetzt.

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