Ukraine-Gelder zwischen Wien und Tortola

7. März 2014, 21:23
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Oligarch Firtash steuert Aktivitäten aus Österreich heraus - Comeback im Gashandel

Wien - Kiew, Zug, Wien, Nikosia, Tortola. Diese Route wird von ukrainischen Geschäftsleuten gerne gewählt. Auch Dmytro Firtash hat einen Hang zur steueroptimierten Verschachtelung seiner Aktivitäten. Dem ukrainischen Oligarchen wird nicht nur in wirtschaftlichen Belangen eine Schlüsselrolle beigemessen. Sein beachtlicher Einfluss erstreckt sich vom Gashandel über Medien und Industrie bis hin zur Politik, in der zahlreiche Abgeordnete aus dem Umfeld von Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch Firtash nahestehen sollen.

Seine Austro-Connection hat Behörden und Medien immer wieder beschäftigt. Bis 2006 fungierte die Raiffeisen Investment als Treuhänderin der profitablen Gas-handelsstation RosUkrEnergo. Wikileaks hatte 2010 die Ansicht des US-Botschafters in der Ukraine zu der Verhüllung enthüllt: "Es fällt schwer, nicht zu vermuten, dass die Treuhänderschaft einfach ein Feigenblatt für ein unappetitliches Arrangement ist."

Die Angelegenheit beschäftigte das FBI, das eine Verbindung von Firtash zum mittlerweile verhafteten "Geschäftsmann" Semyon Mogilevich vermutete, die der Oligarch mehrfach entschieden in Abrede gestellt hat. Im Untersuchungsausschuss im österreichischen Parlament erklärte ein Raiffeisenbanker 2007, das Institut habe bei der Prüfung der Treugeber nichts Bedenkliches gefunden, nach einer Befragung durch das FBI habe sich die ganze Sache "in Wohlgefallen aufgelöst".

Firtash blieb im Geschäft. Sein eher simples Geschäftsmodell: Er kaufte dem russischen Monopolisten Gasprom Gas an der Grenze ab und verkaufte es unmittelbar an den ukrainischen Staatskonzern Naftogas weiter. Hängen blieb viel Geld: 2008 beispielsweise lukrierte Firtashs Wiener Vehikel Centragas 272 Mio. Euro aus der Beteiligung an RosUkrEnergo mit Sitz im Schweizer Steuerparadies Zug, die dann gleich weiter an zypriotische Briefkästen verschoben wurden.

Neue Gas-Ambitionen

2009 endete das Erfolgsmodell, RosUkrEnergo wurde im Zuge des ukrainisch-russischen Gasstreits aus dem Zwischenhandel eliminiert. Centragas blieben neuerlich 285 Mio. Euro Profit. Obendrein sprach ein Stockholmer Schiedsgericht dem Unternehmen eine saftige Entschädigung für die Auflösung der Verträge zu. Seither konzentriert sich der Oligarch auf die Weiterentwicklung seiner DF-Gruppe mit Sitz in Tortola, British Virgin Islands. Stark expandiert hat er in den Bereichen Düngemittel, Soda und Titan, dazu stieß mit dem Kauf von Inter TV das Mediengeschäft. Die Aktivitäten steuert Firtash ebenfalls über Wien, wo seine Ostchem Holding mit 519 Mio. Euro Umsatz sitzt. Überdies zählt die ukrainische Bank Nadra, die wiederum von Centragas gehalten wird, zum Imperium.

Im Oktober des Vorjahres berichteten ukrainische Medien über ein Comeback des Tycoons im Gashandel. Gasprom wolle ihm Gas zu einem Diskont von rund einem Drittel verkaufen, Firtash soll für die Speicherung in dem Land sorgen. Abgewickelt werden soll das Geschäft von der Wiener Ostchem, die wie andere seiner Firmen von zypriotischen Briefkästen gehalten werden. Ob die politischen Umwälzungen den Abschluss vereiteln, lässt sich derzeit nicht klären. Laut Medienberichten ist Firtash ins Klitschko-Lager gewechselt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 8.3.2014)

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