Kein Geld für Tourismus-Projekte: "Wird schon still uman Wörther See ..."

7. März 2014, 17:00
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In der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee dümpeln einstige Leitbetriebe vor sich hin, das Planetarium musste wegen Besucherschwunds Konkurs anmelden. Für die Seebühne gibt es auch noch keine Lösung

Klagenfurt - "Wird schon still uman See ..." Diese Abwandlung eines bekannten Kärntner Liedes könnte auch als Synonym für den derzeitigen Zustand des Klagenfurter Wörtherseeufers herhalten.

Das Land Kärnten hat nach dem Hypo-Abenteuer kein Geld mehr, die Landeshauptstadt Klagenfurt kämpft ebenfalls mit einem gewaltigen Schuldenberg. Da bleibt selbst für touristische Leitprojekte im Klagenfurter Europapark und in der Klagenfurter Ostbucht des Wörthersees kaum mehr Geld übrig. Und so dümpeln ehemalige Leitbetriebe vor sich hin oder verfallen, wie etwa das Hotel Wörthersee, einst ein Prachtbau der sogenannten Wörthersee-Architektur um die Jahrhundertwende. Weil das Denkmalamt zu hohe Auflagen verlangte und die Stadt Klagenfurt die Pacht für den Wörthersee-Zugang des Hotels kündigte, will der Eigentümer nichts mehr investieren.

Konkurs angemeldet

Nun musste eine gewichtige Klagenfurter Institution, das Planetarium, im Europapark Konkurs anmelden. Errichtet im Jahr 1977, diente es neben Minimundus, der kleinen Welt am Wörthersee, und dem Reptilienzoo Happ nicht nur als Touristenattraktion, sondern auch als Bildungsinstitution für zahllose Kärntner Schülerinnen und Schüler, die dort mittels einer multimedialen Astroshow den Sternenhimmel erkundeten.

Doch in den letzten Jahren war die Infrastruktur in die Jahre gekommen, Besucherzahlen in den Keller gerasselt. Wurden 2005 noch rund 200.000 Gäste verzeichnet, so waren es 2013 nur mehr etwa 20.000. Nun können laut Planetarium-Geschäftsführer Erwin Genser Sozialversicherung und Gehälter der Angestellten nicht mehr bezahlt werden.

Das Land hält sich mit Geldzusagen zurück, fordert zuerst ein neues Konzept, das auf Kooperation mit Minimundus und dem Repitlienzoo aufbaut. Doch auch Minimundus, nach dem Lindwurm das zweite Wahrzeichen Klagenfurts, muss dringend modernisiert werden. Am Freitag wurde mit dem Abriss der Scala im Eingangsbereich begonnen.

Ähnlich trist ist nach wie vor die Situation rund um die Klagenfurter Seebühne. Bis heute gibt es für Jörg Haiders einstiges Kulturprestigeprojekt keinen Plan.

Die drei Seebühne-Eigentümer Land Kärnten, Stadt Klagenfurt und die Klagenfurter Messen konnten sich bislang nicht einigen, was mit der Seebühne passieren soll. Das Land Kärnten hat den Vertrag mit den Messen schon gekündigt. Finanzreferentin Gaby Schaunig (SP) und Kultur- und Tourismuslandesrat Wolfgang Waldner (VP) wollen keinen Cent Steuergeld mehr für die Seebühne ausgeben.

Entscheidung über Seebühne

Lediglich die Kosten für das Abwracken will das Land übernehmen. Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher (VP) jedoch will wenigstens eine schwimmende Plattform erhalten.

Kommende Woche soll bei einer Aufsichtsratssitzung der Klagenfurter Messen ein neuer Anlauf für eine Seebühne-Entscheidung genommen werden. Ungeklärt ist aber noch immer, ob die Verträge mit der Veranstaltung "Starnacht am Wörthersee" aufrecht sind oder nicht. Angedacht wird eine Übersiedlung ins Klagenfurter Fußballstadion.

Einzig Schloss Freyenthurn steht auf stabilen wirtschaftlichen Beinen. Es dient als Nobelbordell. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 8.3.2014)

  • In den Siebzigerjahren war das Klagenfurter Planetarium im Europapark eine Touristenattraktion. Jetzt musste es - in die Jahre gekommen - Konkurs anmelden.
    foto: apa/gert eggenberger

    In den Siebzigerjahren war das Klagenfurter Planetarium im Europapark eine Touristenattraktion. Jetzt musste es - in die Jahre gekommen - Konkurs anmelden.

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