Orfeo freut sich auf das Dschungelcamp

9. März 2014, 19:01
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Fantastische Geschichten aus der Welt der Werbung. Heute die Kampagne von Dsquared2: Warum Orfeo siegesgewiss lächelt

Wie – er, ins Dschungelcamp? Orfeo war zuerst regelrecht empört gewesen, als ihm seine Agentur von der Einladung berichtete. Gut: Die Grundvoraussetzungen dafür, Kurzzeitprominenz und Geldprobleme, hätte er ja durchaus mitgebracht.

Orfeo Oliveira de Carachos y Ribeira hatte 2008 den Brazilian Male Model Award gewonnen und seine Gagen auf Anraten seines Schwagers in ein gigantisches spanisches Immobilienprojekt investiert… So blöd musste man einmal sein. Dass er danach seine Enttäuschung mit ein bisschen Alkohol und Tabletten auf ein erträgliches Maß runtergedimmt hatte, konnte ja wohl jeder verstehen. Und er hatte die Sache dann ja auch schnell in den Griff bekommen, Betty Ford sei Dank.

Foto: Lukas Friesenbichler

Aber sein Booker hatte seinen Zorn schnell wieder beruhigt: Nein, nein, meinte dieser, es würde sich nicht um ein konventionelles Dschungelcamp mit Bohnen, Kakerlaken & Co. handeln. Der brasilianische Luxusgigant MWNI würde einmalig ein Dschungelcamp de luxe inszenieren, in welchem die Teilnehmer Tag und Nacht mit sämtlichen Annehmlichkeiten konfrontiert würden, die dieser Konzern herstellte: die feinsten Delikatessen und alkoholische Getränke, tolle Kleider. Man nächtigte in einem brandneuen, ebenfalls konzerneigenen Luxusresort mitten im brasilianischen Dschungel, dem "Platinum Paradise".

Orfeo stutzte. Und wo war der Haken? Es gäbe keinen, meinte sein Booker. MWNI würde die Bilder davon in den Shops und auf der MWNI-Website zeigen. Eventuell würde sogar ein brasilianischer Privatsender Teile der Aufnahmen übernehmen. Dem neuen Luxusresort – es war zum Ende des letzten Booms wohl etwas zu groß geplant worden – sollte dadurch Aufmerksamkeit und in weiterer Folge vermögende Kundschaft aus aller Welt zugeführt werden.

Nächste Woche sollte Orfeo erst einmal zum Proberäkeln im "Platinum Paradise" vorbeischauen, und wenn er auf den Aufnahmen lasziv genug rüberkommen würde, könnte er mit einigen Promi-Kollegen zwei Wochen im totalen Luxus verbringen. Orfeo lächelte siegesgewiss. Das Ausstrahlen von Laszivität hatte für ihn nun also wirklich noch nie ein Problem dargestellt. (Stefan Ender, derStandard.at, 9.3.2014)

  • Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Phantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet wird fotografiert von Lukas Friesenbichler.

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