"It doesn't help to say to the client yadidadidah"

8. März 2014, 09:00
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Der seltsame Fall des Serious Streeter - zwischen kollektiver Empörung und dadaistischen Lebensweisheiten.

"Dr. Strasser ist in der Öffentlichkeit das personifizierte Böse, das Übel der Gesellschaft! Machen Sie sich ihr eigenes Bild", sagt Strasser-Anwalt Thomas Kralik und eröffnet damit die Neuauflage des Prozesses gegen Ernst Strasser, der wegen Bestechlichkeit angeklagt ist, und im Vorjahr zu vier Jahren Haft verurteilt worden war. Nachdem der Oberste Gerichtshof das Urteil gekippt hatte, muss der Prozess neu geführt werden. Strasser plädiert auf "nicht schuldig".


Während des ersten Prozesses im vergangenen Jahr, war die Empörung bei den Usern groß. Strasser geriet zum Symbol für Korruption. Sein überheblich anmutendes Auftreten und seine nicht immer nachvollziehbaren Rechtfertigungen machten "Serious Streeter", wie Ernst Strasser liebevoll bei der Community genannt wird, nicht gerade beliebter.

Die Empörung ist auch bei der Neuauflage des Prozesses spürbar. In den Postings drückt sich das durch ein sarkastisches Lauffeuer kabarettistischer Psychohygiene aus. Dass Unternehmen und Interessensgruppen in Brüssel Einfluss suchen, hatte man geahnt. Wie dilettantisch es dabei aber wirklich zugeht, konnte man sich nur schwer ausmalen: Situationskomik, wie sie Drehbuchschreibern nicht besser gelingt, und Dialoge, die einen fassungslos zurück lassen.


Grund dafür waren vor allem die Videovorführungen am zweiten Verhandlungstag. Journalisten hatten sich als Lobbyisten ausgegeben und Strasser bei gemeinsamen Terminen gefilmt. Das gesprochene Englisch von Strasser erinnert dabei an östliche Lebensweisheiten mit einem guten Schuss Dadaismus.

  • "I prefer to be behind the tree, yes, behind the wall, that nobody sees me."
  • "Yes, I want, yes, I want. I want to take your aura or something."
  • "When you are there when all the things are growing up, you are in a better situation."
  •  "It doesn't help to say to the client yadidadidah and in the end it doesn‘t work."
  • "But if there is something it goes for life or death, yes, let me know... and we can try"
  • "I always try there are only winners on the table, and if somebody leaves the room, he has his face, he doesn’t lose his face."
  • "This is the chance. I had a lot of talking around."
  • "Everybody likes a lucky client."
  • "It is not necessary that I am as we say in Austria on every dancing place. That is not necessary."

Die User reagierten prompt mit einem Stakkato englischer Übersetzungen österreichischer Alltagspoesie.



Nächste Woche geht es weiter. Wenn Sie jetzt noch nicht dabei waren, schauen Sie doch mal rein: Es hat Suchtpotenzial. Falls Sie, wie ich, in einem Großraumbüro sitzen, werden sich ihre Kollegen alsbald wundern, was da los ist.

(Florian Stambula, derStandard.at, 07.3.2104)
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