Ein Abklatsch der paralympischen Party

7. März 2014, 14:34
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In Sotschi werden am Freitag die Winterspiele der Menschen mit körperlicher Einschränkung eröffnet. An dem Sportfest, das deren Kollegen des Sommers vor zwei Jahren in London feierten, ist die Veranstaltung nicht zu messen.

Sotschi/Wien - Gemäß dem Vergleich zwischen Olympischen Sommer- und Winterspielen möchte man auch den Unterschied zwischen sommerlichen und winterlichen Paralympics Klavier spielen können. Im Spätsommer 2012 sportelten in London fast 4200 Menschen mit körperlicher Einschränkung, 164 Nationen entsandten Mannschaften. Der kontroversiell diskutierte Veranstaltungsslogan "Meet the Superhumans" lockte mehr als 2,5 Millionen Zuseher zu den 503 Wettkämpfen in 20 Sportarten.

Zwar melden auch die Winter-paralympics in Sotschi, die am Freitagabend im Fischt-Stadion eröffnet werden, einen Teilnehmerrekord. Die 550 Sportler aus 45 Nationen werden aber vor Ort und auch medial deutlich weniger Beachtung finden.

Das liegt auch in der Tradition begründet. Die Sommerparalympics, die sich aus 1948 erstmals durchgeführten Wettkämpfen für Rollstuhlfahrer in einem englischen Kriegsversehrtensanatorium entwickelten, fanden erstmals unter diesem Namen in Rom statt, aber nicht neben den Olympischen Spielen, sondern nach diesen. Seither steigen sie ebenfalls alle vier Jahre.

1976 kamen die Winterparalympics dazu, allerdings fand die Premiere nicht, wie man annehmen könnte, in Innsbruck, sondern in Örnsköldsvik, Schweden, statt. Österreich spielte bei den kleineren Paralympics dennoch immer eine bedeutende Rolle, umso mehr, als Innsbruck dann 1984 für Sarajevo und 1988 für Calgary als Gastgeber einsprang. Die Heimspiele waren mit 34 und 20 Goldmedaillen die sportlich erfolgreichsten. Im Medaillenspiegel über alle Winterparalympics liegt Österreich mit 314 Stück an dritter Stelle hinter Norwegen (315) und Deutschland (330).

Klasse in Klassen

Auch im Winter wird je nach Art der körperlichen Einschränkung differenziert, allerdings führte das nicht zu einer Bewerbsflut, wie sie die Sommerparalympics zu bewältigen haben. Das erste Klassifizierungssystem für Ski alpin war speziell für Amputierte in Skandinavien entwickelt worden, bei den Spielen 1976 gab es zwei Klassen. Im Laufe der Zeit kamen Klassen hinzu, etwa für Athleten mit Cerebralparese. Im Zuge der Winter-Paralympics 2006 in Turin wurde das Klassifizierungssystem modifiziert. Die 14 unterschiedlichen Klassen wurde in drei Gruppen eingeteilt - sitzend, stehend, sehbehindert.

Um den Wettkampf so fair wie möglich zu gestalten, wurde ein Faktorensystem eingeführt, das es erlaubt, Athleten mit unterschiedlichem Einschränkungsgrad in ein und derselben Entscheidung starten zu lassen. Jede Klasse hat einen der Mobilitäts- und Sehstufen angepassten Multiplikator. Mit diesem wird die ermittelte Zeit multipliziert. Wer am schnellsten im Ziel ist, muss nicht Gold gewonnen haben.

Para-Snowboard, das in Sotschi seine paralympische Premiere feiert, wird dagegen nur in einer Klasse - stehend und ohne "factoring system" durchgeführt, weshalb viele Teilnehmer in diesem Fall wirklich nur des Dabeiseins wegen dabei sind. (lü, DER STANDARD, 7.3.2014)

  • Sledge-Hockey spielen bei den Paralympics nur die Herren. Mitglieder des kanadischen Teams wärmen mit einer Partie Streethockey auf. Auch jene, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind, müssen für den Wettkampf in einem Schlitten Platz nehmen.
    foto: apa/epa/chirikov

    Sledge-Hockey spielen bei den Paralympics nur die Herren. Mitglieder des kanadischen Teams wärmen mit einer Partie Streethockey auf. Auch jene, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind, müssen für den Wettkampf in einem Schlitten Platz nehmen.

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