Mayer-Heinisch: "Zahl an Fußgängerzonen lässt sich nicht beliebig ausweiten"

Chat10. März 2014, 10:37
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Der Handelsverbandspräsident beantwortete die Fragen der Userinnen und User zur Verkehrsberuhigung in der Wiener Mariahilfer Straße und artverwandte Themen

Stephan Mayer-Heinisch wünscht sich, dass die Politik nach der Entscheidung "alle unsere Vorschläge und Bedenken" aufgreift. Er hätte auch die Händler und Gewerbetreibenden in den Bezirken abstimmen lassen und sieht das Fahrrad als wichtigen Frequenzbringer für die Geschäfte - die Kunden sollen aber weitestgehende Freiheit bei der Wahl des Vehikels haben.

ModeratorIn: Angenehmen Montagvormittag, verehrte Userschaft! Wir begrüßen heute in der Redaktion Stephan Mayer-Heinisch, den Präsidenten des Handelsverbands, zum Chat über die Verkehrsberuhiging in der Mariahilfer Straße. Zur Erinnerung: 53,2 Prozent der befrag

Stephan Mayer-Heinisch: Ich freue mich auch, an so einer Diskussion teilzunehmen. Jetzt, wo eine wichtige Entscheidung gefallen ist, ist es höchste Zeit, eine professionelle und emotionslose Debatte über die Weiterentwicklung einer der wichtigsten Einkaufsstraßen in ganz Österreich zu führen!

UserInnenfrage per Mail: Das Ergebnis der Anrainerbefragung ist doch recht knapp ausgefallen. Hat Sie das verwundert?

Stephan Mayer-Heinisch: Nach so einer politisch aufgeladenen Debatte wundert mich gar nichts.

onemanwolfpack: Kennen Sie Negativbeispiele wo die Umgestaltung einer großen Einkaufsstraße einer Großstadt zu einer FUZO dem Handel insgesamt geschadet hätte? Worauf ich hinaus will: Sich über zahlreiche Erfolgsgeschichten in anderen Städten zu informieren, schein

Stephan Mayer-Heinisch: Natürlich ist jeder Händler, der mit einer neuen Fußgängerzone zu tun hat, in der Diskussionsphase besorgt über mögliche Auswirkungen auf sein Geschäft. Prinzipiell ist festzuhalten, dass Marktplätze - ob mit Dach oder ohne Dach (EKZ oder Fuzo) - für unsere Kunden ein angenehmer Treffpunkt sind. Wir haben heute mit Kunden zu tun, die Einkaufen nicht nur als Bedarfsdeckung, sondern als Unterhaltung oder Freizeitgestaltung empfinden. Auch der Handel und die Gastronomie müssen sich auf diese Verhaltensveränderung einstellen.

gannimujiba: Bei der Einführung der Fußgängerzone in der Kärtnerstraße sind von vielen Geschäftstreibenden Umsatzeinbußen befürchtet worden. Das Gegenteil war dann der Fall. Warum sind ähnliche Ängste von ihrer Kammer jetzt bei der Diskussion um die Fußgängerzon

Stephan Mayer-Heinisch: Veränderungen sind, wie wir gelernte Österreicher wissen, immer ein Grund zur Aufregung. Es ist natürlich ganz klar zu sagen, dass Unternehmen, die in einer Fuzo oder in der Nähe oder in einer Seitengasse leben, durch die Veränderung der Kundenströme Vorteile aber auch Nachteile erleiden könnten. Meiner Meinung nach kann aber eine Fuzo als Kristallisationspunkt für den Handel gute Dienste leisten.

Raffael St: Wie ist Ihre Meinung zur These, daß die direkt betroffenen Unternehmer/Geschäftsleute aus strategischen Gründen bewußt nicht mitabstimmen durften? Zusammengefasst: "Das zurechtgezimmerte Wahlvolk", wie ein bekannter Politologe kürzlich anmerkte.

Stephan Mayer-Heinisch: Ich bin Händler und kein Politiker - und kenne mich daher diesbezüglich nicht aus.

UserInnenfrage per Mail: Nach der Entscheidung pro Fußgängerzone: Welche Wünsche haben die Mitglieder des Handelsverbandes wie Peek&Cloppenburg etc an die Stadtverantwortlichen?

Stephan Mayer-Heinisch: Wir wollen gerne auf die Zusagen zurückgreifen, dass die Politik nach einer Entscheidung alle unsere Vorschläge und Bedenken: Querungen, Parkleitsysteme, Wegeführung, usw. emotionslos und professionell und rasch in Betracht zieht.

Totaler Durchblicksstrudel: Warum gelang es dem Verband erst so spät klar Position zu beziehen?

Stephan Mayer-Heinisch: Wir haben sehr lange im Hintergrund mit allen Beteiligten gesprochen. Und haben es erst in der letzen Phase vor der Abstimmung für notwendig empfunden, auch öffentlich unsere Meinung zu sagen.

UserInnenfrage per Mail: Sg. Herr Mayer-Heinisch! Was sind denn Ihre Forderungen für den Umbau? Was ist für die Geschäfte wichtig?

Stephan Mayer-Heinisch: Eine gute Einkaufsstraße lebt von einer guten Durchblutung mit Kunden, von einer klaren Orientierung und von einem positiven Ambiente. Die drei AAAs: Anfahrbarkeit, Auswahl und Ambiente sind lebensnotwendig für jeden guten Marktplatz.

UserInnenfrage per Mail: wie kommentieren sie den rücktritt von frau jank?

Stephan Mayer-Heinisch: Habe Frau Jank als professionelle Vertreterin des Handels kennengelernt, kann aber die Hintergründe des Rücktritts nicht kommentieren, da ich sie nicht kenne.

UserInnenfrage per Mail: Wie haben Sie die politische Debatte rund um die Mariahilfer Straße mitverfolgt? Wie ist es Ihnen mit den vielen Plakaten und der großangelgenten Kampagne der Grünen ergangen?

Stephan Mayer-Heinisch: Die politische Debatte kenne ich seit locker 24 Monaten und das Gefühl, dass hier viel Politik im Spiel ist und wenig Handelverständnis, hat mich immer begleitet. Die Plakate haben wahrscheinlich zur Entscheidungsfindung weniger beigetragen als die große mediale Aufgeregtheit.

me phisto: Wie sehen Sie die Entwicklung bzgl. einer beobachtbaren Vereinheitlichung der Shop- und Storeangebote in den besten Lagen zu den immer gleichen Luxusgüteranbietern. Werden Städte im internationalen Shoppingwettbewerb damit austauschbar? Geht der Lok

Stephan Mayer-Heinisch: Es ist eine weltweites Phänomen, dass Einzelhändler, die ein perfektes Einkaufssystem und gute Logistik - und damit eine hervorragende Marktleistung - erbringen, starke Vorteile gegenüber Einzelkämpfern haben. Erstaunlich ist, dass jede dieser großen Ketten auch einmal als Einzelkämpfer angefangen hat. Wir erleben permanent neue Filialkonzepte. Das bringt schon neue Produkte, Ideen und Marken auf den Markt, sodass der Kunde nicht mehr nach London oder Kopenhagen fahren muss.

seron: wie wirken sich denn Ihrer Meinung nach FUZOs auf die strukturellen Bedingungen kleinerer Geschäfte (der oft bemühten »Traditionsunternehmen«) gegenüber der Chancen für große Ketten aus? Sind FUZOs Mietentreiber? Oder kann man das (auch im Bezug auf

Stephan Mayer-Heinisch: Zu allererst ist zu sagen, dass sowohl die Meidlinger Hauptstraße als auch die Favoritenstraße seit längerem einen recht beklagenswerten optischen Zustand haben. Gottseidank geschieht etwas in der Meidlinger Hauptstraße - aber wo ist das Refreshment der Favoritenstraße? Die von Ihnen angesprochenen Traditionsunternehmen leiden nicht wegen der Fuzos, sondern haben andere - meist strukturelle oder markttechnische - Fragestellungen, die der Mitbewerb manchmal besser bewältigen kann.

Karl Schreckt: Was halten sie von den Begegnungszonen? Weder Fisch noch Fleisch. Die funktionieren heute aktuell am schlechtesten. Autos fahren schneller als 20 und Fußgänger trauen sich nicht auf die Straße. Machen die wirklich Sinn?

Stephan Mayer-Heinisch: Orientierung und Sicherheit und klare Beschilderung haben bei dem Versuch der Begegnungszonen leider gefehlt. Hier muss noch viel Arbeit geleistet werden, um den Kunden die Begegnungszone als sympathisches und stressfreies Angebot schmackhaft zu machen.

Kaktus: Sehr polarisiert hat auch der mögliche Radverkehr in der Fußgängerzone. Wieso tun sich so viele Geschäfte noch so schwer, Radfahrer als pontentielle Kunden zu betrachten, die ja direkt vor dem Geschäft parken könnten. Bei sehr vielen, auch großen Ge

Stephan Mayer-Heinisch: Ganz ehrlich: Wie man mit den Radfahrern umgehen soll oder kann - da weiss ich auch keine Antwort.

Basis: zu den 3 AAAs: Wie werden Sie selbst ab jetzt die Mariahilferstrasse anfahren, warum wählen Sie dieses Verkehrsmittel und was würden Sie selbst dafür an Verbesserungen benötigen?

Stephan Mayer-Heinisch: Eine klare Orientierung - zum Beispiel mit einem intelligenten Parkleitsystem, das den Kunden schon früh genug zu vorhandenen Parkplätzen führt, ist unbedingt notwendig. In vielen Städten gibt es das schon. Also keine Rocket-Science. Selbst bin ich als geborener Landmensch ein begeisterter Öffi-Kunde.

9689ebbf-4a6f-46be-834b-448a2d2ae7ad: Sie erwähnen "Auswahl" als wichtigen Punkt. In Wien habe ich immer das Gefühl, dass jede Branche dieselben Produkte und Marken führt und bin deshalb immer wieder gezwungen online zu bestellen. Zuletzt sogar ein Schlüsseltascherl weil kein einziger L

Stephan Mayer-Heinisch: Hier sprechen Sie ein revolutionäres Thema an. Der stationäre Handel ist mächtig unter Druck und sucht Antworten auf den neuen Mitbewerb aus dem Internet. Der Gewinner ist derzeit der Kunde.

Hypnosophos: Denken Sie nicht, dass der Stellenwert des KFZ für den Handel massiv überbewertet wird? Ich denke an Geschäftsleute, die für 2 Parkplätze vor ihrem Geschäft auf die Barrikaden steigen, obwohl dort 20 Fahrradkunden Platz finden würden und mehrere Bim

Stephan Mayer-Heinisch: Ich glaube immer noch an die Wahlfreiheit. Der Kunde darf und soll selbst entscheiden, wie, wo und wann er mit welchem Vehikel auch immer sich irgendwohin begibt.

waldmeister: Bevor wir ideologisch werden, wie hoch ist der Umsatz in der MaHü im Vergleich zu den Kunden, die mit Öffis hinkommen? Und wie hoch ist die Zahl der Anrainer, die dort leben ?

Stephan Mayer-Heinisch: Fest steht, dass 68 Prozent der Kunden der Mahü nicht aus dem 6. und 7. Bezirk kommen. Das ist eine erstaunliche Zahl und zeigt die überregionale Bedeutung der Mahü. Zu den Öffis weiss ich leider keine genau Zahl - aber ich werde mich schlau machen und wenn Sie mich später mal fragen, werde ich sie hoffentlich wissen.

waldmeister: Und in der Stadtentwicklung näher hineingefragt, wieviele shopping malls braucht es dort noch, Westbahnhof, Lugner-City, ganz zu schweigen vom dem Gasometer, das eh an der U3 liegt ?

Stephan Mayer-Heinisch: Wir alle suchen eine Stadt der kurzen Wege und Stadtentwicklung ist nicht etwas für Wahlperioden, sondern eigentlich ein Generationenthema.

UserInnenfrage per Mail: Wie trifft Sie persönlich die Veränderung der Mariahilfer Straße?

Stephan Mayer-Heinisch: Ich gehe gerne in die Mahü einkaufen und habe oft auch jobmässig dort zu tun und gehe gerne ins Cafe Ritter.

9689ebbf-4a6f-46be-834b-448a2d2ae7ad: Wäre eine Straßenbahn in der Mahü sinnvoll? Der BV Blimlinger erwähnte einmal, dass die geschäftsleute im unteren Teil der Mahü, der öffentlich gar nicht mehr angefahren wird, das wünschen würden.

Stephan Mayer-Heinisch: Bitte fragen Sie einen Verkehrsexperten.

Raffael St: Würden Sie sagen, dass ein Unternehmen wie z.B. eine Trafik, direkt auf der Mariahilfer-Strasse vertreten, von den Maßnahmen betroffen ist & d. EigentümerIn somit auch hätte mitabstimmen dürfen?

Stephan Mayer-Heinisch: Auch hier: Der politische Prozess macht mich auch manchmal nachdenklich.

Hypnosophos: Erlauben Sie mir noch einmal nachzuhaken: Ich habe nicht gefragt, ob Sie persölich (als Kunde) die Wahlfreiheit schätzen, sondern ob der Handel - als Stakeholder der an möglichst viel Frequenz zu möglichst niedrigen Kosten interessiert ist - das Pot

Stephan Mayer-Heinisch: Das Fahrrad ist genauso ein Frequenzzubringer wie viele andere Verkehrsmittel. In der Mahüdebatte wurde es aber nicht als Zubringer in die Schlacht geworfen, sondern es wurde von Kunden das Verhalten der Radfahrer kritisch gesehen.

UserInnenfrage per Mail: Sind Ihrer Meinung nach nur verkehrstechnische Aspekte beim Umbau wichtig für den Handel bzw. geschäftsfördernd? Für wie wichtig halten Sie die optische Umgestaltung? Zieht eine schöne FuZo auch mehr Kunden an oder nur Flaneure?

Stephan Mayer-Heinisch: Klar sind verkehrstechnische Aspekte überlebensentscheidend für eine Mahü. Orientierung, Wegführungen, Parkleitsysteme, Busspuren, usw. sind "die" wichtigen Themen für die Frequenz. Und ohne Frequenz können wir Händler nicht leben. Zur zweiten Frage: Ein gutgemachtes Ambiente in einer Fuzo mit einer Mischung aus Handel, Gastronomie und Unterhaltung ist sowohl für Kunden als auch für Anrainer ein Riesenvorteil.

onemanwolfpack: Mit Verlaub: Sollten nicht auch bei "Querungen, Parkleitsysteme, Wegeführung" eher "Verkehrsexperten" und nicht die Handelstreibenden wie von Ihnen gewünscht konsultiert werden?

Stephan Mayer-Heinisch: Sie haben vollkommen recht, aber erst der Handel und dessen Vertreter haben diese Themen in die Debatte geworfen.

Karl Schreckt: Wie sehr werden die Umbauarbeiten die nun bald beginnen die MaHü beeinträchtigen? Wird in der Zeit shopping dort auch noch Spaß machen?

Stephan Mayer-Heinisch: Umbauzeiten sind immer schwierig. Aber wie wir bei dem Umbau des Kastner & Öhler-Hauses in Graz und beim Zentralbahnhof Wien (ÖBB-Turm) gesehen haben, ist das Thema "Erlebnisbaustelle" auch ein Ansatz, der Kunden gut über den Baufortschritt informiert und als "Attraktion" zu Geltung kommen lässt.

UserInnenfrage per Mail: Grünes Licht für die Verkehrsberuhigung der Mahü: Wenn Sie es sich aussuchen könnten, was wäre das nächste städteplanerische Projekt, das Sie angehen würden?

Stephan Mayer-Heinisch: Mir liegt sehr am Herzen, dass die Favoritenstraße möglichst rasch refresht wird und dass der geplante Umbau in der Meidlinger Hauptstraße rasch vonstatten geht.

9689ebbf-4a6f-46be-834b-448a2d2ae7ad: Zu den kleinen Unternehmen und Startups: würden Sie es für sinnvoll halten wenn die Stadt Ergeschosslokale, die zum Kauf anstehen, übernehmen würde und zu humanen Mieten an ausgewählte (Branchenmix!) Mieter weitergeben würde (passiert angeblich so i

Stephan Mayer-Heinisch: Es gibt in Europa mehrere Konzepte, heruntergekommene Einkaufsstraßen neu zu beleben. Oft ist es eine Privatinitiative, manchmal jedoch bedarf es städtischer Förderungen. Es gibt eine gute Idee zum Beispiel für die Thaliastrasse, die auch eine Frischzellenkur vertragen würde.

Postingname1005: Warum gibt es dort eigentlich wieder eine offene Begegnungszone? Wieder werden viel zu viele Autos dort herumfahren. Man könnte an jedem Ende eine Zufahrtsschranke machen, bei der man zur Einfahrt ein Ticket braucht. Anrainer bekommen dieses Ticket

Stephan Mayer-Heinisch: Die Frage der Begegnungszone ist durch mangelnde Orientierung und mangelnde Leitsysteme in der Versuchsphase nicht optimal gelöst worden. Als Autofahrer und auch als Fußgänger war man ein wenig überfordert.

xx1xx: Warum zieht der Handel nicht weg, wenn er so gegen die Fuzo ist? Z.B. zur Seestadt, die gerade ihre Pforten eröfnet?

Stephan Mayer-Heinisch: Er zieht nicht weg, weil er gerne nahe beim Kunden ist. Eine Diskussion über eine wichtige Stadtentwicklung muss wohl erlaubt sein.

xx1xx: Wenn Sie Frau Vassilakou treffen, werden Sie ihr noch die Hand geben?

Stephan Mayer-Heinisch: Habe mit Frau Vassilakou gerne über das Thema Mahü gesprochen und hoffe, dass nach der Wahlentscheidung eine professionelle, emotionslose Debatte über die Umsetzung und die vielen tausend kleinen Details zustandekommen wird.

ModeratorIn: Bei keiner vergleichbaren Abstimmung und auch bei der vergangenen Landtagswahl in Wien konnten keine 68,1 Prozent Beteiligung erreicht werden. Wie kommentieren Sie diese hohe Beteiligungsquote bei der aktuellen Befragung?

Stephan Mayer-Heinisch: Die hohe mediale Aufmerksamkeit und das Thema, dass vor der Haustür etwas passiert, hat die Leute zur Abstimmung gebracht. Wäre froh wenn auch bei anderen Wahlen so eine hohe Wahlbeteiligung zu verzeichnen wäre. Finde es jammerschade, dass Demokratie manchmal so links liegen gelassen wird.

ModeratorIn: Die Mariahilfer Straße als Präzedenzfall: Könnte sie zum ersten Dominostein werden und nun eine ganze Reihe weiterer Verkehrsberuhigungs- und Fuzoprojekte in Wien oder sogar ganz Österreich anstoßen?

Stephan Mayer-Heinisch: Erstens gibt es eine Reihe von bestehenden Fuzos in Österreich und diese Zahl lässt sich nicht beliebig ausweiten. Zweitens sollte man auch nachdenken, wie man schon bestehende Fuzos qualitativ verbessert und eventuell erweitert. Zum Beispiel Wien-Innere Stadt.

Lex Barker jun.: Wäre nicht auch eine Einbeziehung der Seitenstraßen der MaHü ein sinnvoller Schritt. All die kleinen INTERESSANTEN Shops werden von den Handelsgiganten erdrückt. Für die Giganen wird alles gemacht, die kleinen verrecken.

Stephan Mayer-Heinisch: Ich glaube, dass eine Fuzo ein langfristiger Prozess ist. Man sollte in der Mahü einmal mit einer Kernzone starten und erst gemächlich und vorsichtig über Erweiterungen nachdenken. Beispiel: Goldenes Quartier in Wien.

UserInnenfrage per Mail: Gibt es Unternehmen in der MaHü, die selbst Umbauten oder Veränderungen planen, um sich an die neue Situation in der Fuzo anzupassen?

Stephan Mayer-Heinisch: Jetzt, wo Sicherheit nach der Abstimmung herrscht, werden die Unternehmen sich sicher daran orientieren können. Wichtig für den Handel ist, langfristig investieren zu können.

9689ebbf-4a6f-46be-834b-448a2d2ae7ad: Tipps für die Äussere Mahü?

Stephan Mayer-Heinisch: Das ist ein schwerer Fall. Aber es gibt genügend gescheite Leute in der Stadt, mit denen man das Thema einmal erörtern könnte.

UserInnenfrage per Mail: War es in Ihren Augen unfair, nur die Anrainer zur Fuzo zu befragen? Es war doch ein schöne Abwechslung, sich politisch einmal nicht primär auf die Wirtschaft zu konzentrieren, sondern auf das potenzielle Allgemeinwohl.

Stephan Mayer-Heinisch: Wie gesagt: Die Politik geht manchmal erstaunliche Wege. Für mich persönlich wäre eine Einbeziehung der Händler unerlässlich gewesen. Und erklären sie mir bitte, was das potenzielle Allgemeinwohl ist?

xx1xx: Glauben Sie, dass die Mariahilfer Straße ein viel diskutiertes internationales Vorbild wird? Glauben Sie, dass sich die Kundenschicht zukünftig verändern wird?

Stephan Mayer-Heinisch: Wenn die Stakeholder Politik, Wirtschaft, 6. und 7. Bezirk und die Wiener Linien sich auf ein gutes Modell schnell einigen, kann diese Diskussion zu einem fruchtbaren Ende gebracht werden. Unsere Kunden verändern sich permanent, vor allem hinsichtlich der Möglichkeit, im Internet problemlos 24 Stunden 365 Tage einzukaufen. Auch ändern sich die Bedürfnisse in Hinblick auf Wohnen und Freizeit. Wir Händler sind hier schwer gefordert, mit diesen Veränderungen Schritt zu halten.

ModeratorIn: Werden die großen Einkaufszentren am Stadtrand auf irgendeine Weise zu spüren bekommen, dass die Mariahilfer Straße jetzt dauerhaft zur Fuzo wird? Oder ließ sich das in der Testphase im vergangenen Halbjahr bereits messen?

Stephan Mayer-Heinisch: Diese Ziffern in einem so großen Wirtschaftsraum wie Wien zu messen ist unmöglich. Wir sehen aber am Beispiel der SCS und des DZ, dass diese Marktteilnehmer schon vor einem Refreshment der Mahü kräftig aufgerüstet haben.

ModeratorIn: High Noon, wir verabschieden uns von Stephan Mayer-Heinisch, sagen herzlichen Dank fürs Kommen und die Stellungnahmen. Auch Ihnen zuhause und unterwegs danken wir für die Fragen und die Aufmerksamkeit. Einen schönen Tag allerseits!

Stephan Mayer-Heinisch: Danke für diese interessante Diskussion! Eine Stadt kann ohne Handel nicht leben. Wir Händler sind gerne bereit mit Herz und Hirn an der Entwicklung der Mahü teilzunehmen!

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