Wenn Chemotherapien Nervenschmerzen verursachen

8. März 2014, 08:00
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Bei der Planung einer Tumorbehandlung sollten mögliche Konsequenzen mit berücksichtigt werden

Wien - Schmerzen bei Krebspatienten werden häufig mit Leiden in der letzten Lebensphase und palliativmedizinischen Interventionen assoziiert. Das aber sei überholt, betonen Experten beim 18. Internationalen Wiener Schmerzsymposium, denn viele Betroffene überleben die Tumorerkrankung viele Jahre – allerdings auch mit der Konsequenz, dass viele von ihnen zu chronischen Schmerzpatienten werden. Durch Chemotherapien verursachte Nervenschädigungen und neuropathische Schmerzen sind hier eine zunehmend wichtige Ursache – sie sollten von Beginn der Tumorbehandlung an berücksichtigt und angemessen therapiert werden.

In einer von Rolf-Detlef Treede (designierter Präsident der Internationalen Schmerzgesellschaft und Inhaber des Lehrstuhls für Neurophysiologie, Universitätsmedizin Mannheim der Universität Heidelberg) aktuell veröffentlichten Studie  trat bei mehr als 40 Prozent der untersuchten Krebspatienten chronischer Schmerz als Folge Chemotherapie-induzierter Neuropathien auf. 

Alarmsystem außer Kontrolle

Den dahinter liegenden Mechanismus erklärt der Experte folgendermaßen: "Kommt es zu einer Nervenschädigung, beschäftigt sich das gewissermaßen arbeitslos gewordene Neuron selbst und gerät außer Kontrolle. Betroffene spüren durch äußere Reize verursachte Schmerzen an Stellen nicht, an denen sie aber spontane Schmerzen entwickeln. Das ist vergleichbar mit einer außer Kontrolle geratenen Alarmanlage."

Es sei besonders wichtig, dass schon bei der Planung einer Tumorbehandlung solche möglichen Konsequenzen mit berücksichtigt werden, fordert Treede. Auch Krebspatienten sollten frühzeitig auf die möglichen neuropathischen Konsequenzen einer Therapie hingewiesen und dafür sensibilisiert, beim Auftreten von Symptomen rasch kompetente Hilfe aufsuchen.

Wirksame Therapieansätze bei Chemotherapie-induzierten Neuropathien sind Antikonvulsiva, Antidepressiva, topische Therapien mit Lidocain oder Capsaicin und Opioide. (red, derStandard.at, 7.3.2014)

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