"Workstyles" in der Neuen Welt des Arbeitens

10. März 2014, 10:26
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Effizienzgewinn durch behutsames Vorgehen

Arbeit als Bezeichnung eines Ortes verliert immer mehr an Bedeutung. Die Unabhängigkeit der Mitarbeiter und Manager bei der Wahl des Arbeitsorts und der Arbeitszeit steigt an. Flexiblere Arbeitsweisen halten immer mehr Einzug. In Großbritannien bieten bereits 50 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern flexible Arbeitsformen. In Österreich liegt die Quote noch unter 20 Prozent. Ihre Zahl nimmt jedoch stetig zu.

Ein grundlegender Schritt in Richtung einer neuen, flexibleren Arbeitsweise ist es, zwei Dinge im Unternehmen zu verstehen:

  • Wer arbeitet heute bereits zeitlich und räumlich flexibel und wer nicht?
  • Wer hat das Potenzial, in Zukunft zeitlich und räumlich flexibel zu arbeiten?

In der Workstyle-Analyse wird der Arbeitsalltag der Mitarbeiter (wann wird wo und wie gearbeitet) genauer betrachtet. Diese Mitarbeitergruppen ergeben sich am besten, indem man Kategorien für unterschiedliche Arbeitsweisen, die sogenannten Workstyles, bildet. Sie könnten Ihr Unternehmen etwa in die Kategorien "fix", "wenig flexibel", "flexibel" und "mobil" einteilen.

"Fix" bedeutet, dass die Person ausschließlich im Firmenbüro tätig ist und mobiles Arbeiten in der Funktion nicht sinnvoll ist. Ein fixer Firmenarbeitsplatz ist zwingend erforderlich. "Wenig flexibel" wäre, dass jemand überwiegend im Firmenbüro arbeitet, ein gewisser kleiner Anteil allerdings auch mobil erledigt werden kann beziehungsweise wird. Ein fixer Firmenarbeitsplatz ist erforderlich. "Flexibel" übersetzt sich darin, dass regelmäßig mobil gearbeitet wird, und zwar etwa zwei bis drei Tage die Woche. In der Firma könnten solche Mitarbeiter vielleicht einen Arbeitsplatz teilen, Stichwort: Shared Desk. "Mobil" bezeichnet jene, bei denen Termine außerhalb des Unternehmens die Tätigkeit grundlegend bestimmen. Auch hier wären natürlich ein Zugang zu temporären Arbeitsplätzen und Desksharing sinnvoll.

Arbeitsplatzbedürfnisse

Aus dieser Einteilung in Kategorien - und die genannten sind nur als Beispiel zu verstehen - lassen sich dann in einem weiteren Schritt auch die sogenannten Arbeitsplatzbedürfnisse ableiten. In der Praxis bewährt haben sich Workstyle-Definitionen mit Fokus auf Arbeitszeitanteilen, weil sich daraus eine Büro- und Technologieplanung als zweiter Schritt ableiten lässt. Auf Basis der Workstyles kann definiert werden, welche Instrumente in den jeweiligen Kategorien sinnvoll sind. So wird etwa die Nutzung von Videotelefonie für einen Mitarbeiter aus der Kategorie "fix" wenig sinnvoll sein, genauso wenig wie besagter Festnetzapparat für jene aus der Kategorie "mobil".

Tendenziell gehen Unternehmen dazu über, Mitarbeiter grundsätzlich für einen mobileren Arbeitsstil auszustatten, was die Agilität der Organisation fördert. Jochen Borenich, Vorstand der Kapsch BusinessCom, weist jedoch darauf hin: "Die sichere Anbindung und Integration von mobilen Devices in das Unternehmensnetzwerk stellt Unternehmen vor Herausforderungen, um die Nutzenpotenziale auszuschöpfen."

Abseits von Hierarchien denken

Bei der Workstyle-Analyse empfiehlt es sich immer, sich gedanklich von bestehenden Hierarchien zu lösen und wirklich nur die Arbeitsweise der Mitarbeiter zu betrachten. Schwierig wird es verständlicherweise dann, wenn es darum geht, Mitarbeitern auf Basis dieser vorangehenden Kategorisierung, Kommunikationswerkzeuge oder Büros wieder wegzunehmen. Denn all diese Tools, Geräte und Werkzeuge sind auch Statussymbole. Mark Winkler, Director B2B Samsung Österreich: "Consumerprodukte und der B2B-Bereich verschmelzen immer mehr. Mobile Geräte sind weder aus unserem privaten noch aus unserem beruflichen Umfeld wegzudenken."

Deshalb sollte mit diesem Thema auch besonders behutsam umgegangen werden. Ein guter Schritt wäre wohl, die Mitarbeiter sehr sensibel darüber aufzuklären. Die Neue Welt des Arbeitens bringt viele neue Themen mit sich, die wiederum viel Effizienzgewinn in sich tragen. Behutsames Vorgehen ist dabei jedoch wohl einer der wichtigsten Regeln überhaupt. (Michael Bartz und Thomas Schmutzer, DER STANDARD, 8./9.3.2014)

Michael Bartz und Thomas Schmutzer: "New World of Work - Warum kein Stein auf dem anderen bleibt", Linde-Verlag, Verlag Handelsblatt/Wirtschaftswoche

  • Von "fix" bis "mobil": Die Kombination neuer und traditioneller Workstyles bergen bei guter Organisation Effizienzgewinn.
    foto: www.istockphoto.com / mediaphotos

    Von "fix" bis "mobil": Die Kombination neuer und traditioneller Workstyles bergen bei guter Organisation Effizienzgewinn.

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