Geschichte einer Annäherung

7. März 2014, 20:33
posten

Manches veränderte nachhaltig, anderes fand nicht statt: Für den Kunstmarkt ist das Web eine Option von vielen

Internet und Kunstmarkt, das war keine Liebe auf den ersten Blick. Erst ein Jahrzehnt nachdem das World Wide Web seine Geburtsstunde gefeiert hatte, erfolgte eine erste zögerliche Annäherung. Eher in der Gestalt einer Phase des Experimentierens, als es ein inniger Kuschelkurs gewesen wäre.

Manches, wie die Datentransparenz, veränderte nachhaltig. Verkäufer von Kunstwerken holen sich zum Leidwesen des Handels über Kunstpreisdatenbanken seither theoretisch mögliche, jedoch nicht immer marktkonforme Preisvorstellungen ab. Anderes, wie die prophezeite und zeitgleich befürchtete komplette Verlagerung des Handels in den virtuellen Raum, fand nicht statt.

Während Schnäppchenjäger-Marktplätze boomten, wollte das Web-Standbein etablierter Auktionshäuser trotz stattlicher Investitionsvolumen und vielversprechender Kooperationen vorerst nicht in die Gänge kommen. Manche Projekte scheiterten schon in der Testphase, andere mussten ob mangelnder Wirtschaftlichkeit zu Grabe getragen werden, auch international, wie das Beispiel Sotheby's belegt, wo man innert kurzer Zeit einen dreistelligen Millionenbetrag versenkte.

Hierzulande war 2000 die am Marktführer eBay orientierte Auktionsplattform One-Two-Sold (OTS) online gegangen. Ein Jahr später übernahm deren Betreiber (OneTwo Management GmbH) im Zuge der staatlich verordneten Privatisierungstherapie das Dorotheum. E-Commerce sollte zum vierten Standbein ausgebaut werden, doch es kam anders. Was immer man auch konzipierte, nichts brachte das Transaktionsvolumen nennenswert in Schwung, und die registrierten User kamen über 350.000 nicht hinaus. Im Herbst 2008 trat das Dorotheum OTS an den Schweizer Marktführer Ricardo ab, der den Betrieb in Österreich Ende 2010 einstellte.

Abgesehen vom klassischen (teils mehrsprachigen) Webauftritt, über den das Angebot sondierbar ist, läuft das Webbusiness hierzulande untertourig. Im Kinsky offeriert seinen Klienten erst seit Anfang des Jahres die Möglichkeit, bei Versteigerungen online mitzubieten. Im Dorotheum sei derlei mangels Nachfrage noch im Planungsstadium, ebenso reine Online-Auktionen.

Insgesamt ist das Internet derzeit nur eine von mehreren Optionen, ein Kunstwerk zu handeln, beschert dem Markt aktuell jedoch stattliche Zugewinne. Weniger im Umsatzbereich, wo der Anteil bei etwa drei Prozent dümpelt, als bei Neukunden. Christie's beziffert diesen aktuell mit 45 Prozent.

Auf Anfrage gewährt Sotheby's dazu keinen Einblick und verweist stattdessen auf gleichlautende Zuwächse bei jener Community, die sich via Livestream ins Bietgefecht stürzt. Die Branchenriesen profitieren dabei von ihrer realen Anbindung und dem Vertrauensvorschuss bei traditionellen Sammlern.

Denn Verkäufe jenseits der Ein-Million-Dollar-Marke sind die große Ausnahme geblieben. Laut einer aktuellen Studie liegt der Kaufpreis in 80 Prozent der Fälle unter 15.000 Euro. Und das ist jenes mittlere Marktsegment, in dem auch Anbieter wie Amazon Fine Art oder das soeben in die USA expandierende deutsch-österreichische Kunsthandelsportal Auctionata zunehmend erfolgreich nach Marktanteilen fischen. (kron, Album, DER STANDARD, 8./9.3.2014)

Share if you care.