Zeit für Wissenschafter, "aufzustehen und etwas zu tun"

7. März 2014, 12:05
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Ehemalige ERC-Präsidentin Nowotny sieht Forschungsförderung in Österreich an der Kippe

Wien - Die Forschungsförderung stehe in Österreich an der Kippe, die Finanzierung der Universitäten ebenso, erklärte die ehemalige Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC), Helga Nowotny, Donnerstag Abend bei einer Podiumsdiskussion in Wien. Es gehöre in solchen Situationen zur Verantwortung der Wissenschafter "aufzustehen und etwas zu tun", statt sich dem Fatalismus zu ergeben, so die Expertin.

"Vielen hier an der Universität und in der Forschung Tätigen ist es wahrscheinlich nicht bewusst, wie sehr an der Kippe die Forschungsförderung in Österreich und die Finanzierung der Universitäten steht", warnte sie bei der vom Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Wien gemeinsam mit der European Science Foundation (ESF) veranstalteten Diskussion zum Thema "Responsible Research and Innovation" an der Uni Wien.

"Der Finanzminister schweigt"

Es sei zwar in der Zeitung zu lesen, dass ein gewisser Minister dies und jenes sage, "aber der Finanzminister schweigt", erklärte sie. Ohne dessen Zustimmung gäbe es freilich kein ausreichendes Budget, so Nowotny, die auch das Wissenschaftsressort in europäischen Forschungsfragen berät.

In diesem Zusammenhang und den aktuell turbulenten Zeiten sei der in Österreich leider weitverbreitete Fatalismus die schlechteste der möglichen Reaktionen, sagte sie weiters. Sie appellierte an die Eigenverantwortung der Forscher und verwies auf Aktionen wie "Save our Science" und "Sauvons la Recherche" (Rettet unsere/die Forschung), die Wissenschafter in England und Frankreich in ähnlichen Situationen initiiert hatten.

Man habe sich auch zu sehr damit abgefunden, in einer Krise zu stecken, die zu einem Dauerzustand geworden ist. "In der ursprünglichen Bedeutung und in der Medizin bedeutete Krise so viel wie Wendepunkt", erklärte Nowotny, danach ginge es einem Patienten entweder besser, oder das Ende sei unausweichlich.

Alle sind in der Verantwortung

Nowotnys Appell an die Eigenverantwortung der Wissenschafter hängt auch mit dem Begriff der "Verantwortung von Forschung und Innovation für die Gesellschaft" zusammen, den das neue EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020" in sein Leitbild aufgenommen hat. Demnach sind Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften aufgerufen, diese Verantwortung wahrzunehmen und eine engere Verknüpfung von Wissenschaft und Gesellschaft sicherzustellen. Nowotny hofft, dass durch den unter der Leitung von Ulrike Felt vom Institut für Wissenschafts- und Technologieforschung kürzlich für die ESF erstellten Report "Science in Society: caring for our futures in turbulent times" auch hierzulande eine Diskussion zu dem Thema Verantwortung in der Wissenschaft beginnt.

Der Ruf nach Verantwortung von Forschung und Innovation beeinflusst auch andere Bereiche: Das Institut für Technikfolgenabschätzung der Akademie der Wissenschaften vom 2. bis 4. Juni eine internationale Konferenz dem Thema "Responsible Innovation. Neue Impulse für die Technikfolgenabschätzung?" in Wien. (APA/red, derStandard.at, 8. 3. 2014)

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