Mehr Technikerinnen in Führung

3. April 2014, 17:00
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Nur 20 Prozent aller Absolventen technisch-ingenieurwissenschaftlicher Studien sind weiblich. Ihre Chancen, in die Chefetagen vorzudringen, sind aber gut - und werden immer besser

Stagnation. Das ist das knappe Resümee zum Frauenanteil in den heimischen Führungsetagen. Reichlich ernüchternd klingt das, vor allem, da es sich - laut der AK-Studie "Frauen-Management-Report 2014" - um einen Stillstand auf niedrigem Niveau handelt. Untersucht wurden alle börsenotierten sowie die 200 umsatzstärksten Unternehmen.

In der Top-200-Liga blieb der Frauenanteil in den Geschäftsführungen bei den 5,6 Prozent von 2013. In absoluten Zahlen: Von 606 Positionen sind 34 weiblich besetzt. Bei den Aufsichtsratsmandaten gab es laut Studie eine marginale Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte auf 13,9 Prozent. Unter den Top-200-Unternehmen ist in nur elf die Spitze des Aufsichtsrats weiblich. Den angestrebten Zielwert von 40 Prozent in den Kontrollgremien erreichen überhaupt nur zehn von 200. In den Vorstandsetagen börsenotierter Unternehmen ist der Frauenanteil sogar rückläufig (von 3,3 auf 3,1 Prozent). Einzig bei den staatsnahen Betrieben hat es bei der Frauenquote Fortschritte gegeben (33 Prozent von insgesamt 285 vom Bund entsandten Aufsichtsratsmitgliedern sind weiblich).

Exotinnen auf hohem Niveau

Ähnlich "stagnierend" geht es in Sachen Frauen in technischen Berufen zu. Trotz Initiativen, mehr Frauen für technische Ausbildungen zu begeistern: Nur zwischen 15 und 18 Prozent aller Stellen in der Technik sind mit Frauen besetzt. Der Anteil der Frauen, die ein ingenieurswissenschaftliches Studium absolvieren, ist zwar in den letzten zehn Jahren von 27 auf 33 Prozent gestiegen, die vielen Plätze, die es in der Technik für Frauen noch gäbe, füllen auch diese nicht.

Und das, obwohl gerade jetzt Technikerinnen und Naturwissenschafterinnen der Marsch an die Spitze großer Unternehmen bestens zu gelingen scheint. Zuletzt machte GM-CEO Mary Barra Schlagzeilen - als erste Frau an der Spitze der Autoindustrie. Barra ist Elektrotechnikerin. Oder: IBM-Chefin Virginia Rometty studierte Computerwissenschaften; Ursula Burns, Xerox-CEO, ist Maschinenbauerin; Indra Nooyi, die Chefin von PepsiCo, hat Chemie studiert. In Österreich etwa rückte Sabine Herlitschka an die Stelle von Monika Kircher als Vorstandsvorsitzende der Infineon nach. Herlitschka studierte Lebensmittel- und Biotechnologie. Das gleiche Studium (plus Jus) absolvierte Marisa Sailer, heute im Vorstand der Vivatis Holding.

Beispiele, die zwar nicht so zahlreich sind, wie sie sein könnten oder sollten, die aber zumindest aufzeigen, welche eklektischen Laufbahnen mit technischem oder naturwissenschaftlichem Hintergrund möglich sind. Sicher, die meisten Unternehmen würden es begrüßen, Technikerinnen und Techniker in ihrem angestammten Bereich einzusetzen - es gibt noch immer zu wenig Techniker -, die Laufbahnen der besonders Erfolgreichen aber schlagen durchaus Haken. (haa, DER STANDARD)

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