Wie soziale Medien und Gangsta-Rapper die Sprache verändern

7. März 2014, 15:09
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Soziale Medien, Hip-Hop-Slang und regionaler Dialekt – eine Mischung, die auch unter österreichischen Jugendlichen Verwendung findet

Auf Facebook wurde es schon oft von Jugendlichen benutzt – und mittlerweile sagen es auch schon manche Erwachsene. Die Rede ist vom Jugendwort des Jahres 2013: dem „Babo". Babo bedeutet Boss oder Macher und wurde durch den Offenbacher Gangsta-Rapper Haftbefehl, durch den Straßentrack "Chabos wissen, wer der Babo ist" in den medialen Mainstream katapultiert. Dies aktivierte wiederum andere, die im Sinne des Urhebers unpassend agierten, wie das Beispiel eines Jungpolitikers aus Bayern zeigte, der mit dieser Sprache auf Stimmenfang ging.

Mischmasch

Das Wort wird zumindest für den Augenblick ernst genommen, aber eigentlich markiert es eine andere tiefgreifendere Entwicklung, die gerade voll im Gange ist: Beflügelt durch soziale Medien wie Facebook, Twitter, Instagram & Co, in Anlehnung an Straßenslang-Ausdrücke aus dem Gangsta-Rap und vermischt mit regional-gebrauchten Redewendungen hat sich ein neuer, sich stetig verändernder Sprachenmix herausgebildet, der auch in Österreich seine Abnehmer findet.

Rap-Einflüsse

Haftbefehl, jener Rapper der einem zum Thema Sprachenmix als Erster in den Sinn kommt, hat dazu beigetragen, es sind aber auch andere wie Xatar, Schwesta Ewa oder SSIO (allesamt auf dem gleichen Musiklabel), die sich angelehnt an den französischen Rap, dieses Sprachenmix bedienen, Vokabeln aus dem polnischen, kurdischen oder persischen miteinfließen lassen und somit auch Subkulturen prägen.

"Yalla, Alter!"

Wenn man sich in heimischen Jugendzentren umsieht, dann bekommt man schnell mit, was gerade am eindringlichsten gesprochen wird: Dabei fallen Wörter wie "Para" (Geld), "Yalla" (Auf geht's), "Brate" (Bruder), "Habibi" (Liebling) oder "Moruk" (Alter), aber auch viele Schimpfwörter. Diese Wörter finden auch ihren Weg in den Sprachgebrauch vieler Jugendlicher autochthoner Herkunft und sind keineswegs nur schichtenabhängig.

Ihren Ursprung haben sie aber vor allem in den sogenannten Migrantenvierteln der Großstädte, dort entstehen "ethnisch gemischte Netzwerke", die sich auch in der Sprache niederschlagen, wie Jannis Androutsopoulos in seinem Buch "HipHop: globale Kultur – lokale Praktiken" bereits 2003 beschreibt. Denn: Zum einen wird "die deutsche Umgangssprache der Clique durch Einsprengsel aus unterschiedlichen Migrantensprachen angereichert", also etwa Türkisch, Serbokroatisch, und zum anderen sind sogenannte "Ethnolekte" im Umlauf. Das sind jene Sprechweisen, "die durch verschiedene Besonderheiten die nichtdeutsche Abstammung des Sprechers markieren", resümiert der Professor für Linguistik an der Uni Hamburg. Ein Beispiel dafür wäre Haftbefehl, der "Babo" aus Frankfurt. (Toumaj Khakpour, daStandard.at, 7. März 2014)

  • Rapper Giwar H., alias Xatax (li.) bei einer Verhandlung Ende 2011. Er wurde wegen des Überfalls auf einen Goldtransporter verurteilt.
    foto: epa/franziska kraufmann

    Rapper Giwar H., alias Xatax (li.) bei einer Verhandlung Ende 2011. Er wurde wegen des Überfalls auf einen Goldtransporter verurteilt.

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