Ein Konto als Ansporn, länger zu arbeiten

Kopf des Tages6. März 2014, 18:43
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Auch nach zehn Jahren hat das Pensionskonto noch nicht das Licht der Welt erblickt

Wolfgang Schüssel ist der Vater - aber auch nach zehn Jahren hat das Pensionskonto noch nicht das Licht der Welt erblickt. Vom damaligen Bundeskanzler wurde es als ein Element der Fairness in seine von Opposition und Gewerkschaften abgelehnten Pensionsreformpläne eingebaut. Das Pensionskonto sollte "rasch" jedem Angestellten und Beamten, jedem Wirtschaftstreibenden und jedem Bauern die Möglichkeit eröffnen, sich einen Überblick über seine bisher erworbenen Pensionsansprüche und seine zu erwartende Pension zu verschaffen.

Zweifel an der Praxistauglichkeit

Gut zwei Jahre der Diskussionen um die Pensionsreform, begleitet von Großdemonstrationen des ÖGB und dem größten Streik der Zweiten Republik, waren dem Beschluss des letzten Bausteins jener Pensionsreform vorangegangen - am 18. November 2004 wurde die Pensionsharmonisierung beschlossen und das Konto als Draufgabe. Die Opposition - vom späteren Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und dem Grünen Alexander Van der Bellen getragen - äußerte Zweifel an der Praxistauglichkeit des Kontos, die Regierung (zuständig war Herbert Haupt, damals FPÖ, als Sozialminister) machte sich an dessen Umsetzung.

Und das dauerte - bis heute.

Transparenz nur für Berufseinsteiger

"Der Aufwand für die Befüllung der Pensionskonten betrug in den Jahren 2005 bis 2009 bei der Pensionsversicherungsanstalt, die rund 90 Prozent der Pensionskonten betreute, insgesamt 46,1 Millionen Euro, davon 39,7 Millionen Personalkosten", rechnete der Rechnungshof vor. Er wies zudem darauf hin, dass das Pensionsantrittsalter gleichzeitig gesunken statt gestiegen war und die Transparenz nur für Berufseinsteiger, nicht aber für lange Karriereverläufe gegeben ist.

Das soll jetzt nachgeholt werden: Bis Juni sollen die Erstgutschriften auf möglichst allen Konten erstellt sein - wobei die Pensionsversicherer in mehr als 2,4 Millionen Fällen bei den Versicherten nachfragen mussten, um Lücken in der Erwerbsbiografie aufzuklären - oder auch um herauszufinden, ob der Betreffende überhaupt noch lebt.

Im Laufe des Jahres wird dann jeder Erwerbstätige erfahren, wie viel Geld auf dem Konto ist - wobei das nur bedingt etwas über die Höhe der zu erwartenden Pension aussagt. Denn die Pensionshöhe hängt stark vom Antrittsalter ab. Erst wenn dieser Zusammenhang verstanden wird, tritt ein, was sich die Regierungen seit Schüssel wünschen: dass die Österreicher später in Pension gehen.
(Conrad Seidl, DER STANDARD, 6.3.2014)

  • Das Pensionskonto soll Transparenz schaffen, wenn es gefüllt ist.
    foto: apa/hochmuth

    Das Pensionskonto soll Transparenz schaffen, wenn es gefüllt ist.

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