Standort und Politik: ORF vor dem Umbau

Kommentar6. März 2014, 18:02
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Werden Redaktionen verschoben, weckt das ihre Hoffnung auf neue Strukturen, Infochefs und Einfluss

Wer einmal vom Küniglberg aus gearbeitet hat, aktuell als Journalist, weiß: Es gibt schönere, zentralere Orte dafür. Wer in einem mehrmedialen Newsroom gearbeitet hat, weiß: Es gibt gemütlichere Stuben. Nur, die behindern schnelle Kommunikation, Koordination und Arbeiten in mehreren Medien. Multimediales Arbeiten muss man nicht mögen. Doch es kann zeitgemäßer, wirtschaftlicher Besseres produzieren. Muss es aber ebenso wenig wie getrenntes Werken in der guten Stube.

Die klugen Seiten der Vernetzung zu finden: Vor dieser Aufgabe stehen der ORF und seine Redaktionen mit der Entscheidung für den zentralen Standort Küniglberg.

Gerade beim ORF, Österreichs weitaus größtem TV-, Radio- und Onlinemedium, geht es bei journalistischen Großprojekten nicht allein um vernünftiges Redaktionsmanagement und bessere Produkte. Die Politik generell, vor allem aber die Regierungsparteien und ihre Chefs wollen zuallererst: gut vor- und wegkommen in Fernsehen und Radio. Und diesen Eindruck haben SPÖ und ÖVP derzeit offenbar nicht vom ORF. Ein gutes Zeugnis für den ORF.

Werden Redaktionen verschoben, weckt das ihre Hoffnung auf neue Strukturen, Infochefs und Einfluss. ORF-Chef Alexander Wrabetz verspricht Vielfalt im zentralen Newsroom. Der nun beschlossene Umbau des Küniglbergs soll Ende 2021 fertig sein. Wrabetz ist bis Ende 2016 gewählt. Die Regierung wirkt derzeit, als könne sie mit dem nächsten Versuch, den ORF nach ihren Vorstellungen umzubauen, gerade noch bis zur EU-Wahl warten. (Harald Fidler, DER STANDARD, 7.3.2014)

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