Doppelte Sicherheitstüre der Finanz als Hürde

6. März 2014, 17:57
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E-Rechnung stellt vor allem für Kleinfirmen Problem dar

Wien - Zwei Monate nach der Einführung hat das Finanzministerium am Donnerstag die hunderttausendste elektronisch verarbeitete „E-Rechnung“ gefeiert. Man könne mittlerweile 6000 Rechnungen täglich bearbeiten, so die stolze Mitteilung. Wie viele Rechnungen nicht angekommen sind, weil Unternehmen den Zugang ins neue System nicht schaffen, nannte eine Ministeriumssprecherin nicht. Die Gesamtzahl an Rechnungen im Vorjahr betrage rund eine Million. Im neuen System rechne man mit 1,2 bis zwei Millionen Rechnungen pro Jahr, es funktioniere gut, es gebe keinen Stau.

Seit Jänner können Unternehmen, die mit Bundesdienststellen wie Polizei, Gerichten, Bundesschulen oder Ministerien kontrahieren, ihre Rechnungen über Waren und Dienstleistungen nur mehr elektronisch fakturieren. Klassische Rechnungen auf Papier oder PDF-Dateien per E-Mail akzeptiert der Bund, nicht.

Allerdings stellt bereits die Registrierung am Unternehmensserviceportal (USP) Unternehmen vor Probleme. Das Prozedere: Ein Betrieb braucht für den Erstzugang ein USP-Konto und einen USP-Administrator. Einen USP-Administrator bekommt das Unternehmen aber nur, wenn sich der Geschäftsführer mit seiner privaten Finanzonline-Kennung (FON) registriert. Hat sich der Chef registriert, kann er einen USP-Administrator benennen, etwa seine Buchhalterin, die ihrerseits unbeschränkt weitere Nutzer freischalten kann.

Der Sinn dieser Schleife: Der Staat sichert sich gegenüber den Unternehmen ab, indem sich Geschäftsführer mit privaten Daten ausweisen. Das öffnet aber auch sicherheitstechnische Flanken. Denn hat ein Unternehmen diese "doppelte Sicherheitstüre" einmal passiert, hat der Geschäftsführer keine Möglichkeit mehr, den Zugang auf seine Unternehmensdaten im USP auf bestimmte Mitarbeiter einzuschränken, kritisiert der Geschäftsführer eines Wiener Transportunternehmens, im Gespräch mit dem Standard.

Ein weiteres Problem im Hintergrund: Indem sich der Geschäftsführer namens der Firma mit seiner privaten FON-Kennung authentifiziert, mutiert seine private Kennung zu einem "U-Signal" (U für Unternehmen). Legt er dennoch Wert auf eine solche, muss er sich mittels Handy-Signatur oder Bürgerkarte eine neue besorgen. "Absurd. Wer soll sich all das merken?", gibt der Güterbeförderer entnervt zu bedenken. (ung, DER STANDARD, 7.3.2014)

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