Gericht verordnet mehr Transparenz bei Inkassobüros

6. März 2014, 17:46
140 Postings

Mehr Schulden statt weniger? Treiben Inkassobüros Geld ein, explodieren in Einzelfällen die Kosten. Laut Urteil des Oberlandesgerichts Wien sollen Ratenvereinbarungen künftig transparenter gestaltet werden

Wien - Vor 14 Jahren, im Mai 2000, wurde die Ware angeliefert. Frau M., mittlerweile verstorben, konnte die Rechnung in Höhe von 82 Euro nicht begleichen. Ein Brief eines Inkassobüros flatterte ins Haus. Es wurde eine Ratenzahlung vereinbart. Frau M. versuchte über die Jahre, die Schulden in Raten zu begleichen. Doch durch die verrechneten Zinsen und Gebühren ist die Forderung immer größer statt kleiner geworden.

Frau M. ist kein Einzelfall. Können Verbraucher offene Rechnungen nicht zur Fälligkeit begleichen, machen sie häufig Bekanntschaft mit Inkassobüros. Diese vereinbaren mit den Betroffenen Ratenzahlungen, die Gesamthöhe der Forderung bleibt jedoch im Dunkeln. Das Oberlandesgericht Wien bestätigte nun ein Urteil, dass Ratenzahlungsangebote von Inkassobüros unter das Verbraucherkreditgesetz fallen. Sprich: Klauseln in den Vereinbarungen müssen verständlicher und transparenter gestaltet werden, die Gesamtsumme klar erkennbar sein.

Antrag im Nationalrat

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Der Verein für Konsumenteninformation ist zufrieden. "Schuldner werden vor intransparenten Klauseln und voreiligen Anerkenntnissen von nicht geschuldeten Kosten geschützt", sagt Juristin Maria Ecker.

Auch die Grünen fordern ein faires und leicht nachvollziehbares System der Inkassokosten. Jeder soll überprüfen können, ob tatsächlich nur die zulässigen Kosten verrechnet wurden.

Konsumentensprecherin Aygül Berivan Aslan hat einen Entschließungsantrag im Nationalrat eingebracht, der vorsieht, dass die Inkassokosten maximal zehn Prozent der ursprünglichen Forderung - exklusive Zinsen - betragen dürfen. Für einzelne Bearbeitungsschritte sollen dem Modell der Grünen zufolge keine zusätzlichen Gebühren verrechnet werden können.

Die Chancen auf Umsetzung stehen zumindest nicht ganz schlecht. Im Regierungsprogramm hat sich die rot-schwarze Koalition vorgenommen, Rechtssicherheit und Transparenz für Schuldner zu schaffen. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 7.3.2014)

  • Willigt der Schuldner in eine Ratenzahlung ein, führt das in vielen Fällen dazu, dass die Forderung immer größer statt kleiner wird.
    foto: apa/roland schlager

    Willigt der Schuldner in eine Ratenzahlung ein, führt das in vielen Fällen dazu, dass die Forderung immer größer statt kleiner wird.

Share if you care.