Der Krater, aus dem die meisten Marsmeteoriten stammen

9. März 2014, 17:43
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Forscher glauben den Ursprung der "Shergottiten" gefunden zu haben - diese Meteoriten dürften beträchtlich älter sein als gedacht

Oslo/Washington - Die meisten Marsmeteoriten sind deutlich älter als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommen Forscher nach der Analyse von Meteoriten, die zur Gruppe der sogenannten Shergottiten zählen und aus magmatischem Gestein bestehen. Sie machen insgesamt drei Viertel aller bislang bekannten etwa 150 Marsmeteoriten aus. Benannt sind sie nach einem Meteoriten, der 1865 nahe dem indischen Sherghati (früher Shergotty) niederging.

Bisher dachte man, dass diese Meteoriten etwa 150 bis maximal 600 Millionen Jahre alt seien. Nun kommt ein norwegisch-französisches Forscherteam in "Science" zu dem Schluss, dass sie in Wahrheit fast so alt wie Mars und Erde selbst sind. Mehr als vier Milliarden Jahre sollen sie auf dem Buckel haben, schreiben die Forscher um Stephanie Werner von der Universität Oslo.

Neubewertung

Die Forscher untersuchten die Zusammensetzung der Mineralien in den Meteoriten genauer und veglichen sie mit derjenigen im Mojave-Krater auf dem Mars. Sie kamen zu dem Schluss, dass dieser Krater die Quelle vieler Shergottiten ist. Der 55 Kilometer breite Krater ist vor weniger als fünf Millionen Jahren in die Region Xanthe Terra drei Grad nördlich des marsianischen Äquators geschlagen worden. Die Meteoriten wurden also erst vor relativ kurzer Zeit durch die Wucht des Einschlags auf eine Reise geschickt, die einen Teil von ihnen bis zur Erde brachte. Ihr eigentliches Alter hängt aber von der Gesteinsschicht ab, aus der sie herausgerissen wurden.

Xanthe Terra, das auf Fotos von Marssonden Anzeichen einstiger Flusstäler und Deltas erkennen ließ, ist mit 4,3 Milliarden Jahren eine der geologisch ältesten Regionen auf dem Mars. Damit sind auch die Shergottiten bereits vor 4,1 bis 4,3 Milliarden Jahren kristallisiert und somit nicht die jüngsten, sondern die ältesten Gesteinsproben vom Roten Planeten, wie Werner und Kollegen argumentieren. Unterstützt werden sie von der Analyse der verschiedenen Blei-Isotope in den Meteoriten, die ebenfalls auf ein hohes Alter hindeuten.

Warum frühere Altersbestimmungen so weit von der jetzigen Schätzung abwichen, lässt sich nicht genau sagen. Die Forscher vermuten, dass Aufschmelzen beim Einschlag oder die Einwirkung von Wasser zu Veränderungen in der Struktur der Meteoriten führten, die ein geringeres Alter vortäuschten. (red/APA, derStandard.at, 9. 3. 2014)

  • Der Mojave-Krater auf dem Mars. Hier dürfte eine ganze Reihe von Meteoriten, die im Lauf der Zeit auf der Erde eingeschlagen sind, ihren Ursprung haben.
    foto: science/aaas

    Der Mojave-Krater auf dem Mars. Hier dürfte eine ganze Reihe von Meteoriten, die im Lauf der Zeit auf der Erde eingeschlagen sind, ihren Ursprung haben.

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