Knochenkrankheiten durch Biomarker erkennen

7. März 2014, 07:38
posten

Mittels Auf- und Abbaumarkern könnne man Knochenerkrankungen besser diagnostizieren und behandeln, so Osteologin Barbara Obermayer-Pietsch

Essentielle Auf- und Abbauvorgänge im Knochen konnten bislang nur an Hand statischer Ergebnisse durch spezielle bildgebende Verfahren beobachtet werden. Aktuelle Forschungsergebnisse erlauben es seit Kurzem, dynamische Prozesse im Knochen durch sogenannte Biomarker sichtbar zu machen. "Bisher konnten Auf- und Abbauvorgänge im Knochen nur mittels statischer Verfahren beobachtet werden. Biomarker erlauben es uns jedoch, dynamische Prozesse im Knochen zu beobachten", sagte Wissenschafterin Barbara Obermayer-Pietsch im Vorfeld eines Osteologie-Kongresses in München.

"Personalisierte Medizin in Reinkultur"

Der Einsatz von Biomarkern - Aufbaumarker für Knochenbildung, Abbaumarker für Knochenresorption, Calciotrope Hormone, Kollagenmarker sowie Enzyme - erlaubt es, Erkrankungen des Knochens schneller diagnostizieren zu können. "Was Biomarker des Knochens im engeren Sinn betrifft, so können wir mit einer nunmehr größeren Anzahl dieser Biomarker die allermeisten Knochenerkrankungen rasch und gezielt charakterisieren und die genau richtige Therapie dafür aussuchen", sagt Obermayer-Pietsch.

Dabei handle es sich um "personalisierte Medizin in Reinkultur". Weil das Thema allerdings so komplex ist und noch nicht so bekannt sei, ist es in der Routinemedizin noch nicht überall angekommen. "Osteoporose, der Heilungsverlauf von Knochenbrüchen, Stoffwechselveränderungen im Knochen aber auch Metastasen im Knochen sind Gegenstand der aktuellen Knochen-Biomarkerforschung", sagt Obermayer-Pietsch. An der Med Uni Graz betreut sie gleich mehrere Forschungsprojekte, die sich mit dem Einsatz von Biomarkern in der personalisierten Medizin beschäftigen.

Neben der verbesserten Diagnostik erlaubt der Einsatz von Biomarkern auch eine optimierte Überprüfung des Behandlungserfolges bei Knochenerkrankungen. "Neben der Kontrolle des Behandlungserfolges kann auch die Behandlungstreue durch die Patienten überprüft werden, wie etwa die regelmäßige Einnahme von Medikamenten", so die Expertin.

Durch die permanente Kontrolle könnten allfällige Änderungen in der Medikation oder Nachjustierungen in der Behandlung bereits lange vor der Anzeige durch bildgebende Verfahren veranlasst werden. Teilweise werden Veränderungen erst nach Jahren im Röntgenbild oder der Knochendichtemessung sichtbar. "Die Personalisierung von Knochenkrankheiten durch Biomarkerprofile in Verbindung mit bildgebenden und klinischen Daten wird die Diagnostik und die Treffsicherheit von Behandlungen in Zukunft entscheidend verbessern", sagt Obermayer-Pietsch.

Knochen und Jahreszeiten

Besonders spannend findet sie auch den vor kurzem nachgewiesenen Einfluss des Knochenstoffwechsels auf die Testosteronsynthese. "Offenbar nimmt der Jahreszeiten- und Sonnen-Einfluss über Vitamin D und das Knochenhormon Osteocalcin einen direkten Einfluss auf die Testosteronsynthese im männlichen Hoden, sodass eine klare Jahreszeitenrhythmik der Kindergeburten bestand", sagt Obermayer-Pietsch. Evolutionsbiologisch hätte das früher durchaus Sinn gemacht - heute würde es geburtentechnisch aber keine Rolle mehr spielen. (red, derStandard.at, 7.3.2014)

Share if you care.