Steven Donziger: Der Held von Ecuador soll ein Betrüger sein

Kopf des Tages5. März 2014, 19:06
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US-Anwalt Donziger verliert eine Prozessrunde gegen Chevron

Wien - Für Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ist er ein Held: ein US-Anwalt, der für hilflose Opfer eines Umweltverbrechens kämpft. Für den US-Ölkonzern Chevron ist er ein Betrüger, der sich mit Bestechung und Dokumentenfälschung in einem korrupten Land ein Skandalurteil erkauft hat. Und ein New Yorker Richter hat am Dienstag dem Ölmulti recht gegeben.

Steven Donziger (52) ist jedenfalls die Schlüsselfigur im größten Umweltprozess aller Zeiten. Bei der Ölförderung im Regenwald von Ecuador durch den US-Konzern Texaco wurden ab den 1960er-Jahren die Böden schwer verseucht. Texaco zog sich Anfang der 1990er-Jahre aus Lago Agrio zurück, verkaufte seine Anlagen an die staatliche Ölgesellschaft und zahlte 40 Millionen Dollar für die Reinigung. Im November 1993 brachte ein Team rund um Donziger im Namen der Urwaldbewohner eine Sammelklage gegen Texaco ein. Ein US-Gericht erklärte sich für unzuständig. Donziger ging 2003 mit seiner Klage nach Ecuador. Dort hatte er Erfolg: Ein Richter verurteilte im Jahr 2011 Chevron, das Texaco inzwischen übernommen hatte, zu 19 Milliarden Dollar Schadenersatz - eine Rekordsumme, die später auf 9,5 Milliarden Dollar herabgesetzt wurde.

Chevron dreht Spieß um

Aber Chevrons Anwälte drehten den Spieß um: Sie versuchten nachzuweisen, dass Donziger den Richter genötigt, bestochen und das komplexe Urteil selbst geschrieben hatte. Ein Beweisstück war das beschlagnahmte Rohmaterial des Dokumentarfilmes Crude über Donzigers Kampf, in dem dieser behauptet, dass alle Richter in Ecuador korrupt seien. Die Anklage beruft sich auf das amerikanische Anti-Mafia-Gesetz (Rico); und der Schuldspruch verhindert, dass das Urteil gegen Chevron weltweit exekutiert werden kann.

Richter Lewis Kaplan gestand Donziger zu, anfangs aus Idealismus gehandelt zu haben; doch dann sei er auf Abwege geraten. Donziger, der Stars wie Angela Jolie und Sting zu seinen Fans zählt, hält hingegen den Richter für voreingenommen und sich selbst für das Opfer eines arroganten Multis, der mithilfe teurer Anwälte seine Untaten verschleiert.

Donziger arbeitete einst als Journalist in Mittelamerika und schloss 1991 ein Jusstudium in Harvard ab; mit seinem Klassenkollegen Barack Obama spielte er Basketball. Er war Pflichtverteidiger in Washington und wandte sich dann Umweltfällen zu. Eine Reise nach Ecuador 1993 schockierte ihn und gab ihm eine neue Mission. Er lebt und arbeitet in New York. (Eric Frey, DER STANDARD, 6.3.2014)

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    foto: epa/guillermo legaria
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