Außergerichtlicher Tatausgleich

Kolumne5. März 2014, 18:49
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Auch anderorts gibt es Hoffnung auf Trostpflaster für die geschundenen Haushaltsbudgets der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes

Endlich ist Schluss mit der Ungewissheit. Das lange Warten muss für die Investoren des von Tilo Berlin initiierten "Projekts Fort Knox" kaum erträglich gewesen sein, aber jetzt hat es das Landesgericht Klagenfurt erstinstanzlich bestätigt: Der sogenannte Vorzugsaktiendeal hat der Hypo Alpe Adria schweren Schaden zugefügt. Zwei der dafür verantwortlichen Manager haben Geständnisse abgelegt, drei wurden zu Haftstrafen verurteilt, der vierte, Tilo Berlin selbst, ist darob offensichtlich vor Scham erkrankt und darbt deshalb derzeit transportunfähig in Amerika vor sich hin.

Das ist bestimmt keine faule Ausrede. Da dieser Tage auch ruchbar wurde, mit welch unfassbarer Dreistigkeit er sich just in den verheerendsten Pleitejahren der Bank als Abkassierer, Verschwender und Spesenritter von der schaurigen Gestalt geriert hat, ist davon auszugehen, dass er nun vor lauter schlechtem Gewissen wie gelähmt ist. Ebenso darf kein Zweifel daran bestehen, dass unter österreichischen Aristokraten Ehrgefühl als hoher Wert gilt, weshalb die zahlreichen aus alten Adelshäusern stammenden Profiteure der dolosen Vorzugsaktien-Schummelei es als selbstverständlich erachten werden, ihre auf solch unwürdige Art generierten Gewinne den nun für die Finanzierung des Geldinstituts zuständigen Steuerzahlern umgehend zurückzuerstatten.

Das gilt natürlich auch für den gräflich angeheirateten Tilo, auf dessen Wiedergutmachungsangebot wir gespannt warten, zumal es als Zeichen tätiger Reue auch strenge Richter milde stimmen könnte.

Und auch anderorts gibt es Hoffnung auf Trostpflaster für die geschundenen Haushaltsbudgets der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Zugegeben: Aufs Erste klang die Meldung "Jörg Haiders Tochter geht in die Politik" ähnlich bizarr wie "Sohn von Udo Proksch transportiert Uranerz-Aufbereitungsanlagen". Aber auch hier könnte ein Wunsch nach Wiedergutmachung dahinterstecken.

Es ist wohl kein Zufall, dass nahezu zeitgleich Kurt Kuch in News eine Zahlung von 6,5 Millionen Euro enthüllte, die der Eurofighter-Hersteller EADS dem Kärntner Unternehmensberater Herbert W. einzig dafür zugestanden haben soll, damit dieser Jörg Haider vom Ankauf der Abfangjäger überzeuge. Haider selbst soll laut Herrn W. von diesem Geld nichts bekommen haben, was angesichts der Tatsache, dass gegen den mit 6,5 Millionen Euro belohnten Überredungskünstler im Vorjahr eine Exekution wegen vergleichsweise läppischer 40.000 Euro lief, ein wenig merkwürdig klingt.

Aber unbestritten ist, dass im gleichen Zeitraum vier Millionen Euro direkt von EADS in Haiders "Lakeside-Stiftung" geflossen sind, wo sie bis zum heutigen Tag auf einem Konto bei der Hypo Alpe Adria liegen.

Also: Seien wir ein bisschen nett zu Frau DDr. Haider-Quercia, erwähnen wir in ihrer Gegenwart nicht den Namen Birnbacher und betonen lieber die ungeklärten Aspekte am Unfall des Landeshauptmanns (z. B.: Wer hat ihm Alkohol in den Wodka und Benzin in den Tank geschmuggelt?). Dadurch könnten wir die Erben vielleicht motivieren, sich mit voller Kraft dafür einzusetzen, dass es doch noch einen positiven posthumen Beitrag Haiders zum Hypo-Debakel gibt. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 6.3.2014)

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